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Dokblog 2016

Eine Frage der Haltung

Das Sonderprogramm »We Are Hip Hop« fokussiert die politische Haltung des Musikgenres

  Eine Frage der Haltung | Das Sonderprogramm »We Are Hip Hop« fokussiert die politische Haltung des Musikgenres

»This is what it is.« So bringen es die kubanischen Hip-Hop-Künstler in dem gleichnamigen Film auf den Punkt, wenn sie ihre Musik beschreiben. Die Texte des Duos »Los Aldeanos« um die Rapper Aldo Baquero und Bian Galádes sind keine auf Papier gebrachten, philosophischen Gedankenkonstrukte, sondern drücken die Realität der Insel aus, die den meisten Pauschaltouristen unbekannt bleibt. Der Alltag auf Kuba, der von Restriktionen und Perspektivlosigkeit geprägt ist, bringt die kubanischen Musiker schließlich dazu, ihre Heimat zu verlassen, um auf den Bühnen Europas und Amerikas aufzutreten. Doch dort erwartet sie eine Realität, die eher am Gewinn als an ihrer Musik interessiert ist.

Der Film von Léa Rinaldi gibt einen persönlichen Einblick in die Welt junger Musiker, für die Hip-Hop eine Möglichkeit des Empowerments darstellt und ihre Werte von Zusammenhalt und Freiheit zu vermitteln. Leider stellt die Dokumentation auch eine kleine Homage an ungehemmten Machismo dar. Die einzige Frau, die zu Wort kommt, ist die Mutter von Aldo Baquero. Ansonsten dominieren viele nackte, männliche Oberkörper das Bild.


Hip-Hop fungiert auch für den amerikanischen Künstler Boots Riley als politische Ausdrucksform und Symbol des Klassenkampfes. In dem Kurzfilm »The Boombox Collection: Boots Riley« spricht (und rappt) er über das kapitalistische System, das durch Niedriglöhne und staatliche Polizeitgewalt gestützt wird. Riley sieht in seinem künstlerischen Schaffen eine Möglichkeit, den »Underdogs«, den Außenstehenden der Gesellschaft, eine Stimme zu geben. Sehenswerte 10 Minuten des Regisseurs Mohammad Gorjestani, die mit einem großartigen A capella-Rap zu Ende gehen.


Eine andere Möglichkeit, sich mittels Hip-Hop kreativ auszudrücken, ist Tanz. Den in Schweden lebenden Frauen geht es in dem Film »Martha & Niki« um nichts anderes, als ihrer Persönlichkeit und das was sie innerlich bewegt, tanzend Ausdruck zu verleihen. Das gelingt ihnen auf eindrucksvolle Art und Weise. Ihr Talent und ihre Leidenschaft für Hip-Hop-Tanz bringt sie auf Weltmeisterniveau. Doch Ruhm allein macht nicht glücklich. Martha, die in Uganda geboren und aufgewachsen ist, gelingt es nicht, schwierige Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit zu verarbeiten. Der Entschluss, sich von ihrer geliebten Tanzpartnerin zu trennen, ist schmerzhaft für Beide. Ein berührender Film von Tora Mkandawire Mårtens über die Suche nach der eigenen Identität im Tanz. Die spektakulären Tanzeinlagen gehen dem Zuschauer direkt in die Beine und geben dem Film seine zusätzliche Würze.


»The Boombox Collection: Boots Riley« + »This Is What It Is«: Passage Kinos Astoria, 6.11., 13 Uhr
»Martha & Nicki«: Passage Kinos Astoria, 5.11., 16.30 Uhr

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