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Dokblog 2016

Tipp: »Mich vermisst keiner«

Evi sitzt alleine in ihrer Wohnung. Raus gehen oder den Balkon nutzen kann sie nicht; der ehemaligen Sportlerin wurden die Beine amputiert. Freunde kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und die Familie hat mit ihr gebrochen.

  Tipp: »Mich vermisst keiner« | Evi sitzt alleine in ihrer Wohnung. Raus gehen oder den Balkon nutzen kann sie nicht; der ehemaligen Sportlerin wurden die Beine amputiert. Freunde kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und die Familie hat mit ihr gebrochen.

Ihr Kontakt zur Außenwelt besteht nur noch aus dem allmorgendlichen Besuch des Pflegedienstes und dem Internet. Und so spielt sich ihr Leben und demzufolge der gesamte Film zwischen Fernseher, Küche und Bett ab.

Evi wirkt auf der einen Seite einsam, verschroben und verbittert, auf der anderen Seite hat sie sich einen außergewöhnlichen Humor und eine sehr liebenswerte Art bewahrt.

Produzent Erik Lemke stellt eine besondere Nähe zur leicht kauzigen Protagonistin her, indem er direkt mit ihr spricht, ohne dass man je sein Gesicht sieht. So fühlen sich die Zuschauer, als würden sie selbst mit Evi auf der Couch sitzen, reden und gemeinsam die alten VHS-Bänder ansehen. Auf den Videokassetten ist ihr altes Leben in der DDR festgehalten: Evi, damals noch als Mann, beim Federballspielen, Evi bei der Arbeit im Montagewerk für Schwarz-Weiß-Fernseher, Evi im Kreise ihrer Familie und Freunde. Von alldem ist nichts geblieben außer schmerzhafter Erinnerungen.

Evi spricht in langen Monologen, manchmal über mehrere Minuten. Sie wird dann aber sehr wortkarg, wenn der Filmemacher versucht, mit ihr über Dinge zu sprechen, über die sie nicht reden möchte, aber reden muss.

Ein wunderschöner, sehenswerter Film, der auf bewegende Weise zeigt, wie es ist, wenn keiner einen mehr vermisst.

D 2016 | 29 min | Internationales Programm | R: Erik  deutsch | englische Untertitel | Weltpremiere

Passage Kinos Filmeck: 6.11., 14 Uhr


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