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Christian Dürr: Die Befreiung oder Marcelos Ende Größeres Bild

Christian Dürr: Die Befreiung oder Marcelos Ende —

Wien: Bahoe Books 2019. 280 S., 19 €

Manuel Gluckstein wächst in Argentinien auf. Seine Eltern sind Shoah-Überlebende und nach Südamerika ausgewandert. Schwer lastet ihr Schweigen über die Vergangenheit auf dem Haus der Glucksteins. Früh bricht Manuel von zu Hause aus. Im Buenos Aires der siebziger Jahre beginnt er zu studieren und schließt sich einer Studentengruppierung an, die die Rückkehr des im Exil lebenden Politikers Perón fordert. Doch als dieser zurückkehrt, erweist er sich nicht als der, für den die Studenten ihn gehalten haben. Stattdessen macht er gemeinsame Sache mit rechten Gruppierungen. Bald nach seinem Tod regiert eine Militärjunta das Land. Menschen verschwinden und auch Manuel landet im Pozo de Arana, einem der berüchtigten geheimen Folterlager der Machthaber.

Christian Dürr ist Historiker. Er arbeitet in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, die im Roman ebenfalls eine Rolle spielt, und hat Argentinien mehrfach zu Forschungszwecken bereist. Er kennt sich also aus mit der Materie, die er beschreibt. Inhaltlich ist das hochinteressant, wie hier die NS-Zeit mit der argentinischen Geschichte bis in die 2000er Jahre verknüpft wird. Sprachlich gesehen lässt »Die Befreiung« jedoch stark zu wünschen übrig. Besonders die erste Hälfte ist voller Klischees und schlecht ausgearbeiteter Szenen.

Am besten ist Dürr, wenn er sich auf die Historie konzentriert und seine ohnehin eher blutleeren Charaktere in den Hintergrund stellt. Von denen ist es ausgerechnet der Folterknecht Marcelo, der am plastischsten gezeichnet ist. Im Zusammenspiel mit dem Protagonisten Manuel gehören ihm die stärksten Momente dieses Romangerüstes, das als Sachbuch wesentlich besser funktioniert hätte.

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