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Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war

Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war

D 2026, R: Regine Schilling, D: Sandra Hüller, 96 min

In diesem Jahr wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Mit einem experimentellen Porträt, das Archivmaterial und Texte mit gespielten Sequenzen vermischt, nähert sich die Dokumentarfilmerin und studierte Literaturwissenschaftlerin Regine Schilling (»Igor Levit – No Fear«) der 1973 gestorbenen Autorin. Sandra Hüller verkörpert Bachmann in ihren letzten Tagen, allein in einem Appartement in Rom, gezeichnet vom Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Schilling selbst nennt dies eine Seance, eine Totenbeschwörung, auf die sich Hüller mit vollem Körpereinsatz einlässt. So ist das intime Bild einer Getriebenen entstanden, in dem Bachmann durch ihre Texte lebendig wird und Einblick in ihr Innerstes offenbart. Dazwischen dokumentieren die Fernsehaufnahmen den Weg aus dem ländlichen Kärnten in die Metropole Wien, von der Tochter eines NSDAP-Funktionärs zur gefeierten Lyrikerin. Dieser Weg ist gezeichnet vom unnachgiebigen Ringen um eine eigene, radikale Sprache zwischen öffentlichem Ruhm und existenziellen Krisen, aber auch von Bachmanns komplizierten Beziehungen zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch. Schilling bezieht dabei den Entstehungsprozess ihrer Versuchsanordnung in den Film ein, zeigt Hüller bei der Vorbereitung auf ihre Rolle, in der Maske und bei den Proben. Ein interessantes Werk, das nicht den Anspruch auf Authentizität erhebt, sondern aus seinem künstlerischen Anspruch keinen Hehl macht. LARS TUNÇAY


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