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Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu berühren —

München: Penguin 2019. 121 S., 15 €

Etwas haarspalterisch scheint einem der Bestsellerautor (»Acht Berge«) und leidenschaftliche Wanderer Paolo Cognetti ja schon: Der Mann, der auf Tausenden Höhenmetern unterwegs ist, behauptet in seinem neuen Buch immerzu, kein Bergsteiger zu sein. Das liegt natürlich daran, dass des klassischen Bergsteigers Ziel der Gipfel eines Berges ist. Diese kolonial anmutende Bezwingung des Berggipfels ist ein Phänomen – wer hätte das gedacht – der westlichen Welt. Und Cognetti kann trotz seiner Wanderungen genau damit nichts anfangen, denn sein Magen rebelliert ab 3.000 Höhenmetern. Trotzdem entschließt er sich zu einer Wanderung in der Dolpo-Region im Nordosten Nepals, zum Shey Gompa Kloster am Fuß des Kristallberges. Vorbild für die Wanderung ist die Reise des Peter Matthiessen im Jahre 1973: Dessen Reisebericht, »Auf der Spur des Schneeleoparden«, trägt Cognetti stets mit sich, zieht Parallelen. Als ein Hund auftaucht und viele Tage nicht von seiner Seite weicht, vermutet er darin gar die Reinkarnation des 2014 verstorbenen Matthiessen.

So sehr sich Cognetti bei den Beschreibungen seiner Umgebung aufhält, so oberflächlich bleiben die sich einstellenden Gedanken des Pilgers. »Ich ließ etwas Nichtgesehenes, Nichterfasstes zurück, war ihm aber nahe genug gekommen, um sein Vorhandensein zu spüren.«

Die Skizzen des Autors sorgen ebenfalls nicht für eine Untermalung des zuvor Erläuterten. Es verliert sogar an Kraft, weil man es nicht in Einklang zu bringen vermag mit den irgendwie niedlichen Bildchen. Das Gefühl, eine lange Reise bewältigt zu haben, stellt sich zwar beim Autor, aber nicht beim Leser ein. Statt »die wehmütige Sehnsucht nach der Welt eines ausgelesenen Buches« zu empfinden, fühlt man sich, als käme man gerade von einem dieser Himalaya-Dia-Vorträge der nächstgelegenen Globetrotter-Filiale.

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