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Sabine Kranz: Sonntags um halb vier … Größeres Bild

Sabine Kranz: Sonntags um halb vier … —

Von Buttercreme und Zuckerguss. Mannheim: Kunstanstifter Verlag 2015. 80 S., 24 €

Eiserne Kalorienzähler können schon an dieser Stelle ihre Lektüre beenden, denn Sabine Kranz’ »Sonntags um halb vier … Von Buttercreme und Zuckerguss« richtet sich an Leser, die bereit sind für richtige Butter und geschlagene Sahne. Im Vorwort beschreibt die Frankfurter Illustratorin und Designerin Erinnerungen an üppige sonntägliche Kaffeetafeln ihrer Familie, als sie noch bei der Vorbereitung auf dem Küchenstuhl kniend den Duft von Hefe und Mandeln in der Nase und die Stimme ihrer Oma im Ohr hatte, die, einen Schlager trällernd, den Teig knetete. Bis der Kuchenduft aus dem Ofen kam, spielten dann beide »Mensch ärgere dich nicht«.

Die heraufbeschworene (heile) Welt muss lange vor der Erfindung von Crème fraîche und dem Einzug von Magerquark existiert haben. Die Rezepte tragen nahezu in Vergessenheit geratene Namen wie »Apfel-Gitterkuchen«, »Mohnstollen« oder »Frankfurter Kranz«. »Reine de Saba«, »Tarte Tatin« und »Apple Pie« wirken in dieser Runde schon wie Exoten. Bei Kranz wird noch mit Sahnesteif und Hirschhornsalz gebacken, und beim Teig für den Marmorkuchen darf ein gestrichener Teelöffel Natron nicht fehlen. Genau dieser Marmorkuchen wurde immer als »Reservekuchen« gebacken, wenn Oma Ilse befürchtete, dass die bereits geplanten Blech- und Rührkuchen, Torten und Cremerollen nicht reichen könnten, um alle Gäste satt zu machen. Fast wünscht man sich beim Lesen, einer davon gewesen zu sein, denn bei der Verabschiedung bekamen alle noch ein ordentliches Kuchenpaket mit auf den Weg.

Die einst auf Zetteln oder nur mündlich gesammelten Rezepte sind im Inhaltsverzeichnis wohl geordnet. Dort stehen auch zusätzliche Tipps für unerfahrene Hobbybäcker, die nicht vergessen sollten, die Bleche vor dem Belegen gut einzufetten und beim Rührkuchen stets Eier, Butter und Zucker zu verquirlen, ehe man das Mehl dazu gibt. Übrigens kommt das Buch, dessen Cover robust und durchaus küchentauglich ist (Hardcover mit wattiertem Umschlag und partieller UV-Lackierung), ganz ohne Hochglanzfotos aus. Die eigenen Zeichnungen der Autorin unterhalten allemal.

Und wer die Beschreibung liest, weiß auch so, wie ein Spiegeleierkuchen aussehen sollte.

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