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Sorry 3000

Warum Overthinking Dich Zerstört

Audiolith

Bewertung: 2 Kreuzer

Die Schwierigkeiten mit Sorry 3000 aus Halle fangen beim Bandnamen an (irgendwie witzig, irgendwie furchtbar) und setzen sich in der Musik fort. Denn plötzlich ist wieder Nullerjahre-Indiepop, obwohl man sich nicht erinnern kann, dass jemand danach gefragt hat. Sorry 3000 ist das wurscht: Im Geiste jener einfacheren Tage machen vier bekennende Studis ihre Studimusik, meint Post-Punk-Indiediscosound, bei dem 2008 auf dem Prenzlauer Berg sicherlich die Hütte gebrannt hätte. Da die Band weiß, dass das alles nicht mehr ganz taufrisch ist, geht sie ironietechnisch in die Vollen, anders ist es nicht zu erklären, dass man derart hemmungslos uncoole Tracks wie »Fitness« und »Nasenspray« als Singles auskoppelt. Bei Ersterem pliepen und tuten die Kinderkeyboardsounds in einer dümmlichen Fröhlichkeit, dass man daran denkt, einmal kräftig in die eigenen Boxen zu treten. Dergleichen ist wie gesagt wahrscheinlich so gewollt, etwa auch Stephanie Heartmanns Gesangsperformance, die auf den meisten Tracks so klingt, als würden ihr gleich die Füße einschlafen. Zeilen wie »ist es nur ’ne Phase / wann ist wieder Normalität in seiner Nase« mögen in Halle- Neustadt vielleicht irgendeine Art von Humor bedienen, schmälern aber in ihrer Lahmarschigkeit derart deutlich den Hörgenuss, dass auch der eigentlich gekonnt reproduzierte Franz-Ferdinand-Groove des Songs gestrig kopiert wirkt. So was ist schade, denn in den Momenten, in denen die Band willens ist, den eigenen Ironiepanzer zu durchdringen, liefert sie. Die von sich selbst eingeschüchterte Erotik von »Dirty Talk« erkennt man nur allzu gut wieder: »Auf dem Fahrrad sind wir still / doch im Hausflur geht es los / auf meinem Bett in meinem Zimmer / lesen wir uns etwas vor / Dirty Talk Dirty Talk«. Die lässig hingerotzte »Vorstellung« beweist, dass die Band eigentlich gar nicht so uncool ist, wie sie tut, »Portwein« steigert sich in einen mitreißenden Ennio-Morricone-Part hinein, im dramaturgisch treffsicheren »Zu Schwach« spielt die Band ihre Songwritingkünste und Heartmann ihre Lakonie in der Beschreibung unerfüllter Zweisamkeitshoffnungen aus. Man hofft, dass Sorry 3000 schleunigst mit dem Overthinking aufhören und sich darauf konzentrieren, coole Musik zu machen.

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