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Dokblog 2013

Sturm gegen die Verdrängung

Es gibt zwei Running Gags bei dieser Eröffnungsveranstaltung. Der erste ist das neue Ticketsystem: Das scheint nämlich noch nicht so richtig toll zu funktionieren, wie sowohl Festivaldirektor Claas Danielsen als auch Dokumentarfilmprogrammleiterin Grit Lemke zugeben.

  Sturm gegen die Verdrängung | Es gibt zwei Running Gags bei dieser Eröffnungsveranstaltung. Der erste ist das neue Ticketsystem: Das scheint nämlich noch nicht so richtig toll zu funktionieren, wie sowohl Festivaldirektor Claas Danielsen als auch Dokumentarfilmprogrammleiterin Grit Lemke zugeben.

Aber nicht ohne die Zuversicht: Das wird noch.

Dass der knapp 800 Zuschauer fassende Riesensaal des Cinestar nicht ganz bis auf den letzten Platz gefüllt ist, könnte aber auch am Sturm liegen – zweiter Gag des Abends. Denn »Sturm« lautet auch das Thema der diesjährigen Retrospektive, die acht Massenbewegungen des letzten Jahrhunderts aufzeigt. »Da sind wir wieder brandaktuell«, scherzt Lemke, denn ein über Deutschland wehender Sturm hat die Bahnstrecke Hamburg – Berlin – Leipzig stark beeinträchtigt, so dass einige Gäste und Jury-Mitglieder die pünktliche Anreise nicht schafften.

Mit Sprüchen wie »Wir sind das Beste, was Leipzig zu bieten hat – nicht die Völkerschlacht« oder »Wer Schulze heißt, sollte sich in der Auswahlkommission bewerben – wir haben da alle deutschen Allerweltsnamen« führt Lemke unterhaltsam durch den Abend. Auch die drei Redner schaffen es, dass man ihnen zuhört. Burkhard Jung zeigt mal wieder, dass wenn er etwas kann, dann ist es, Reden zu halten. »Wir sind nicht Mainstream«, lautet seine Botschaft. Und es sei gut und wichtig, dass Dokumentarfilmmacher auch ohne Aussicht auf riesige Zuschauerzahlen oder einen sicheren Fernsehsendetermin die Kamera auf Missstände halten. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen sich mal wieder anhören, dass sie den Dokumentarfilm mehr fördern und zeigen sollen, Lob erhält erstaunlicherweise der MDR, auch weil er hier die mit 10.000 Euro dotierte Goldene Taube stiftet. Der Ministerialdirigent im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, wie man Thomas Kochs Berufsbezeichnung wohl ausschreiben muss, erhält schon allein deswegen Sympathien, dass er die Anwesenden hier mit »Exzellenzen« begrüßt und Danielsen redet predigtreif in die Gewissen, prangert unser aller Hang zur Verdrängung an, die auch lähmen kann. Und ja, Dokumentarfilme sorgen dafür, dass das Verdrängte verständlicher wird und dass wir danach nicht mehr einfach wegschauen können. Ob es nun Fukushima, Lampedusa oder die Finanzkrise ist.

Einblicke, wie die Banker so ticken, gibt der Eröffnungsfilm. Als »The Master Of The Universe« kann man sich da schon mal fühlen, wenn man täglich mit Unsummen dealt, die mittelständische Unternehmen in einem ganzen Jahr nicht umsetzen können, erklärt dort ein Investmentbanker. Marc Bauers Film konzentriert sich ganz und gar auf seinen Protagonisten, der erinnert und erklärt, wie er in einer Bank groß Karriere machen konnte und wie der Alltag aussah. Dass er dazu in einem riesigen, vollkommen leeren Bankgebäude steht, gibt dem Ganzen etwa Geisterhaftes.

Wegen der fortgeschrittenen Zeit kommt es nicht mehr zum Zuschauergespräch (»Wir brauchen jetzt alle erst mal einen Drink«), doch sowohl Regisseur als auch Ex-Banker stellen sich heute den Fragen (13 Uhr, CineStar, Zwischengeschoss) im DOK Talk.


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