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Dokblog 2013

Das geht auf keine Vorhaut

Der MDR überrascht mit seinem Bekenntnis zum Dokumentarfilm jenseits von damals in der DDR

  Das geht auf keine Vorhaut | Der MDR überrascht mit seinem Bekenntnis zum Dokumentarfilm jenseits von damals in der DDR

Es ist ein Stück Gott in Vorhautgestalt, dem dieser Indiana Jones hinterher jagt. Prosaisch ist der Titel »The Quest for the Holy Foreskin« gehalten, inhaltlich geht’s abgedrehter ab: Als Jude wurde Jesus selbstverständlich beschnitten, also ist seine Vorhaut nicht gen Himmel gefahren, sondern in der profanen Welt verblieben. Würde man sie finden, hätte man dann nicht die ideale Reliquie? Immerhin sind von zahllosen Heiligen Körperteile in aller Welt verstreut, aber etwas von Gottes Sohn ausstellen zu können – und sei es nur ein Zipfelchen – würde der jeweiligen Kirche Besucherströme gen unendlich bescheren. Doch das Präputium Superstar galt plötzlich als gestohlen. Die Doku mag das nicht glauben und begibt sich auf eine aberwitzige Suche. Diese »Quest« ist, man mag es kaum glauben, in Koproduktion mit dem MDR entstanden. Und es ist nicht das einzige erstaunliche Dokumentationsprojekt, an dem der Mitteldeutsche Rundfunk beteiligt war.

Als Rentnersender und Ostalgieschleuder musste der MDR absolut zu Recht viel Häme und Kritik einstecken. Vor vorgegebener Heimeligkeit hätte man dem Sender selbst den Skandal um den damaligen Unterhaltungschef Udo Foht nicht zugetraut: Gegen den »König der Volksmusik« hat die Staatsanwaltschaft nun Anfang Oktober Anklage erhoben wegen Betrug, Untreue und Steuerhinterziehung. Seit zwei Jahren ist die neue MDR-Intendantin Karola Wille am Ruder und um frischeren Wind versucht. Jüngst erst überraschte der Sender mit dem Versuch – er ging ob der schauspielerischen Leistung der beteiligten Moderatoren nicht ganz auf –, die Ereignisse der Völkerschlacht mit einem quasi-dokumentarischen Ansatz zu vermitteln. Auf der DOK Leipzig zeigte sich MDR mit klarem Bekenntnis zum Dokumentarfilm – er stiftet zum ersten Mal den Hauptpreis des Festivals.

Ein solches gab Intendantin Wille auch auf der MDR-Party im – zu gewollt poshem – Club L1 ab, kurz bevor sie das Büffet eröffnete. »Ich freue mich, dass wir in diesem Jahr noch enger mit dem Festival zusammenarbeiten konnten und werden das auch zukünftig tun.« Festival Claas Danielsen gab den Dank zurück und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, Wille möge sich dafür einsetzen, dass der Dokumentarfilm wieder einen festen Ort und wöchentlichen Sendeplatz in der ARD erhält. Neben »The Quest for the Holy Foreskin« zeigte der MDR mit »No Place on Earth« das unglaubliche Schicksal von drei Dutzend Juden, die sich zwei Jahre lang in einem ukrainischen Höhlensystem vor den Nazihäschern versteckten und überlebten. Die Reihe »Best of MDR« ist dann mit »Zonenmädchen« und »Mein Sommer ‘88« schon wieder etwas typischer bestückt. »Im Dreieck« hingegen beschäftigt sich zwar mit einem heutigen Rentner, folgt aber einem klassischen Liebesdrama: Wie viel ist ein Mensch fürs vermeintliche Glück zu ertragen bereit? Er zeichnet Verwerfungen um den Architekten von Halle Neustadt nach, eine platten-tektonische Amplitude, die auf keine Vorhaut passt.


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