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Dokblog 2013

Ladies und Kühlschränke

»Ladies and refrigerator« schlug der Cutter als Titel vor, nachdem dieser die über 300 Stunden Material des finnischen Filmemacher Petri Luukkainen durchgesehen hatte.

  Ladies und Kühlschränke | »Ladies and refrigerator« schlug der Cutter als Titel vor, nachdem dieser die über 300 Stunden Material des finnischen Filmemacher Petri Luukkainen durchgesehen hatte.

Luukkainen war unglücklich oder zumindest nicht zufrieden mit seinem Leben – und um diesem Gefühl auf die Spur zukommen, trennte er sich für zwölf Monate von jeglichem Hab und Gut und filmte dieses Selbstexperiment. Heraus kam im Schneideraum, dass in dieser Zeit offensichtlich Kühlschränke und Frauen eine wesentliche Rolle in Luukkainens Leben spielten. Mithilfe von Freunden und Familie habe er das Projekt gestemmt, erzählte er am Dienstagabend bei der Premiere. Luukkainen war sichtlich aufgeregt, so ganz mag er das öffentliche Zurschaustellen nicht. Das wirft natürlich gleich Fragen nach der seltsamen Marketingaktion im Vorfeld zur Leipzig-Premiere auf, die sich auch nicht ganz dem Statement des Films beugen möchte, aber im Verlauf des Filmscreenings zum Glück wieder in Vergessenheit gerät.

»Heute weiß ich gar nicht mehr, warum ich so sehr auf meine ganzen Sachen fokussiert war«, erzählt der Finne und wirft noch kurz ein, dass er den Film gar nicht mehr selbst sehen mag. Immerhin dreht sich sein Film nur um die eigene Person. Zu Beginn des Experiments räumte Luukkainen seine Wohnung in Helsinki leer und packt all seine Sachen in einen Container. Wirklich alles! Denn schon einer der ersten Takes zeigt den Finnen komplett nackt in besagter Wohnung. Erst im Laufe der Zeit holt er sich eine Sache nach der anderen zurück. Was er eben am nötigsten braucht oder am meisten vermisst. Tag für Tag lautet die Regel, die der Finne schon bald als uninteressant ins Abseits hievt, stellt er doch fest, dass sie überflüssig ist. Luukkainen braucht nicht jeden Tag eine neue Sache. Immerhin: Holt er sich einen Stuhl braucht er auch einen Tisch und vielleicht noch einen Stuhl. Er kriegt ja auch Besuch. Also wartet er. Eine Tortur in Angesicht der winterlichen Kälte in Helsinki! Im Reigen der zwölf Monate schustert sich der junge Mann nicht nur ein neues Zuhause, sondern, zumindest erscheint es so, ein neues Glücksgefühl zusammen.

DSC_0543kleinIm vergangenen Jahr stellte Luukkainen neben sieben weiteren Filmemachern und Produzenten aus ganz Europa bei DOK Leipzig einem Fachpublikum sein Dokumentarfilmprojekt vor. Zuvor hatten die Nachwuchstalente im Dok.Incubator-Trainingsprogramm sechs Monate lang ihre Projekte unter professioneller Anleitung vorangebracht bzw. fertiggestellt. Der georgische Film »Machine That Makes Everything Disappear« von Tinatin Gurchiani lief im vergangenen Jahr bereits im Wettbewerb für junges Kino. Zu den Frischlingen des ersten Jahrgangs gehören auch die diesjährigen Programmbeiträge »The Last Black Sea Pirates« (Wettbewerb für junges Kino) oder auch »Dance For Me« (Internationales Programm Dokumentarfilm). Was diese Filme alle eint, ist ihre frische Herangehensweise und Freude am filmischen Experimentieren. »My Stuff« ist mit Sicherheit einer der komischsten Filme, die in diesem Jahr in Leipzig gezeigt werden. Der Film lief bereits in dessen Heimatland Finnland im Kino. Luukkainen erzählt, dass es schon seit geraumer Zeit einen Trend bei vielen Altersgenossen gäbe, sich von den Besitztümern dieser Welt loszusagen, um wieder ein wenig mehr Freiheit im Alltag zu empfinden. Und in der Tat erwischt man sich an diesem Abend irgendwann dabei, all die Dinge zu zählen, die allein in der Handtasche, die unter dem Kinosessel kauert, so rumlungern.

> »My Stuff«: Sa 2.11., 22.30 Uhr Passage Kinos Wintergarten


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