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Dokblog 2014

«Es war von Anfang an eine Herausforderung»

Mit »15 Corners Of The World« ist Filmemacherin Zuzanna Solakiewicz ein Wagnis eingegangen. Der Protagonist ihres Films ist nicht der Komponist Eugenisz Rudnik, sondern seine Musik. Seine Person und die bewegten Bilder sind nur Mittel zum Zweck, genau diese auf der Leinwand erlebbar zu machen. Im In...

  «Es war von Anfang an eine Herausforderung» | Mit »15 Corners Of The World« ist Filmemacherin Zuzanna Solakiewicz ein Wagnis eingegangen. Der Protagonist ihres Films ist nicht der Komponist Eugenisz Rudnik, sondern seine Musik. Seine Person und die bewegten Bilder sind nur Mittel zum Zweck, genau diese auf der Leinwand erlebbar zu machen. Im In...

Mit »15 Corners Of The World« ist Filmemacherin Zuzanna Solakiewicz ein Wagnis eingegangen. Der Protagonist ihres Films ist nicht der Komponist Eugenisz Rudnik, sondern seine Musik. Seine Person und die bewegten Bilder sind nur Mittel zum Zweck, genau diese auf der Leinwand erlebbar zu machen. Im Interview erzählt sie, wie dieser außergewöhnliche Film entstanden ist.

kreuzer: In Ihrem letzten Filmen erzählen Sie die Geschichte des Juden Meir Moszkowicz, der in Israel lebt und jedes Jahr nach Polen reist, um dort Gräber zu pflegen. »15 Corners Of The World« ist thematisch und in der Umsetzung etwas komplett anderes. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so einen Film zu machen?

Zuzanna Solakiewicz: Mein nächster Film wird auch wieder sehr anders werden als alles, was ich vorher gemacht habe. Ich finde es sehr wichtig, sich stets neuen Themen und Macharten zu öffnen. So bin ich auch auf das Thema der experimentellen Musik gekommen. Für viele Menschen ist es ein sehr hermeneutischer Raum. Sie haben Angst davor, diesen zu betreten, zu einem Konzert zu gehen oder sich mit der Musik zu Hause zu beschäftigen. Die meisten assoziieren diese Art von Musik mit etwas sehr Intellektuellem, sehr Konzeptionellen. aber niemals mit Emotionen. Ich fand es immer unglaublich spannend zu sehen, wie Musiker neue Möglichkeiten des Ausdrucks finden. Das wollte ich auch für mich nutzen. In den meisten Filmen liegt die Priorität auf dem Bild, die Musik hat nur eine unterstützende Funktion. In der Zusammenarbeit mit dem Kameramann Zvika Gregory Portnoy wollte ich dieses Konzept umdrehen.

kreuzer: Hatten Sie jemals Angst, dass dieses Konzept nicht aufgehen könnte?

Zuzanna Solakiewicz : Nein. Es war von Anfang an eine Herausforderung. Für den Großteil der Crew war es das erste Filmprojekt. Wir wussten von Anfang an, dass wir aus dem Thema kein klassisches Biopic machen wollten. Wir wollten auf 16 mm Film drehen und daraus einen abendfüllenden Dokumentarfilm machen. Eigentlich hätten wir mit diesem Plan gleich Selbstmord begehen können! Es war ein einziges Abenteuer. Vor allem für die Produzenten war es schwierig, den Film finanziert zu bekommen. Ich wollte einen Film machen, der von der Musik regiert wird, aber trotzdem kein reiner Experimentalfilm ist. Es war so riskant, dass es gar keinen Raum für Angst gab.

kreuzer: Der Entschluss, »15 Corners Of The World« auf 16 mm zu drehen, zollt der analogen Vorgehensweise Rudniks Respekt. Gab es weitere filmische Entscheidungen, die den Film mit seiner Musik verbindet?

Zuzanna Solakiewicz: Ich glaube, die größte Gemeinsamkeit lag letzten Endes nicht einfach nur darin, nicht digital zu arbeiten, sondern in der Arbeitsweise des Analogen an sich. Wenn man an einem Computer arbeitet, kann man alles unendlich oft kopieren oder wieder entfernen und neu beginnen. Wir haben unsere magische Tastenkombination «Control Z», die wir gebrauchen, um alles schnell wieder Rückgängig zu machen. Das verändert irgendwann auch unsere Arbeitseinstellung und unsere Wahrnehmung.

kreuzer: Was bedeutet es für Sie, gerade mit einem so ungewöhnlichen Projekt für den internationalen Wettbewerb ausgewählt worden zu sein?

Zuzanna Solakiewicz: Wir denken immer, Dokumentarfilme müssen sich mit den sozialen und politischen Problemen unserer Zeit befassen, was auch sehr wichtig ist. Aber es braucht auch Filme wie unseren. Viele haben die Ansicht, dass Filme wie meiner zwar gut sind, aber nicht gut für das Image des Dokumentarfilms im Allgemeinen. Viele große Dokumentarfilmfestivals haben eine extra Sparte für Musikdokumentarfilm eingerichtet. Was auf der einen Seite gut ist, weil es mehr Filme dieser Art eine Bühne gibt. Auf der anderen Seite werden diese Filme ausgesondert. Uns ist es deshalb sehr wichtig, im Internationalen Wettbewerb zu laufen. INTERVIEW: KATHARINA TRESS


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