anzeige
Dokblog 2016

Puppen-Nietzsche macht ne Fliege

Die »Ewige Wiederkunft« des Friedrich N.

  Puppen-Nietzsche macht ne Fliege | Die »Ewige Wiederkunft« des Friedrich N.

Ein Kammerspiel: Friedrich Nietzsche taumelt durch eine Puppenstube, steuert dann als Pilot eine Stubenfliege, kommt wieder bei sich selbst an. Schlussendlich heben sich alle Unterschiede auf, beginnt alles von vorn. Ziemlich abgefahren dreht sich der Animationsfilm »Ewige Wiederkunft« (Regie: Jörg Weidner & Anke Späth) sehr frei (schwebend) um Friedrich Nietzsches »Die ewige Wiederkehr des immer Gleichen«.

Ob diese das zentrale Konzept seines Denkens ist, darüber wird gestritten. Er machte es aber zu seiner Lebensmaxime: Es ist die größte Form der Lebensbejahung, das Schicksal anzunehmen und zu begrüßen, dass in der Unendlichkeit von Zeit und Raum die endlichen Kombinationen möglicher Welten zu Wiederholungen führe. Der Animationsfilm nimmt daran lose Anstoß als herrliches Kombinationsspiel.

Als Stopmotion-Figurentheater lässt er ein Nietzschepüppchen auferstehen, das im Spiegelstadium zu sich selbst und Selbsterkenntnis findet. Auf einem alten Foto erfährt er, dass er schon einmal da war, dann erkundet er als Fliegenflieger sein kleines Universum. Von außen stampfende Kolben zeigen, wie schon junge Mensch soziale Prägungen erhält, Schwerelos erstarrt der Philosoph alsbald zum Monument, um in der berühmten Szene mit dem Turiner Pferd zu vergehen.

Eine starke Optik, Detailreichtum und originelles Spiel mit dem Nietzschematerial zeichnen die Animation um den Kreislauf der Dinge aus.

»Ewige Wiederkunft«, Regie: Jörg Weidner, Anke Späth
Neue Deutsche Animation | Deutschland | 2016 | 8 Minuten | deutsch | englische Untertitel | Weltpremiere

Passage Kinos Astoria: 04.11.2016 / 22:00


Kommentieren


0 Kommentar(e)