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Dokblog 2016

Spurensuche in den Leerlauf

Geschickt verstrickt und dann beim Mäandern verrannt: »Kokolampy«

  Spurensuche in den Leerlauf | Geschickt verstrickt und dann beim Mäandern verrannt: »Kokolampy«

»Ich kann hier nur die losen Enden zusammenführen«: Gleich zu Beginn des Films spricht Regisseur Hajo Schomerus seine Warnung aus. Man missversteht die Worte leicht als Einladung, sich auf den Film einzulassen. Und findet sich schließlich selbst verloren an losen Enden stehend.

Dabei beginnt die Geschichte wirklich gut und spannend. Schomerus Großonkel Menko war ein Abenteurer, von dem der Filmemacher in seinen Kindertagen fasziniert war. Neben den wilden Storys war es besonders ein Elefantenvogelei, das ihn anzog. Der Onkel ist seit Jahrzehnten tot. Nun fragt Schomerus, was denn aus dem Ei der einst auf Madagaskar lebenden, vor vielen Jahrhunderten ausgestorbenen Riesenvögel geworden ist. Geschickt folgt er der Spur, landet bei einem christlichen Madagaskarmissionswerk, das bald nicht mehr ist, spürt ihm in ethnografischen und naturkundlichen Museen nach. Es keimt ein Verdacht: War der Onkel Edelsteinschmuggler oder gar Biopirat, der Wirkstoffpflanzen von der Insel an die Pharmaindustrie verscherbelt hat? Nun denn, man erfährt es nicht.

So verpufft die Wirkung dieser Alles-kann-nichts-muss-Geschichte wie die zwischenzeitliche Reflexionskraft. Denn klug baut die Doku Fragesteinchen auf Fragesteinchen und setzt ein Mosaik zusammen, das sich um Kolonialismus und den Umgang damit in der Gegenwart dreht. Dabei stört das Mäandern zwischen Naturgeschichte und Anthropologie nicht, hier ist Vieles zu erfahren. Zum Beispiel was Botaniker – wie auch Zoologen – endemisch nennen: Spezies, die nur an einem Ort zu finden sind, etwa die Aloe Schomeri oder der Elefantenvogel. Nicht aussterben werden aber leider die losen Enden, von denen »Kokolampy« einige zu viel hat. So heißen übrigens Kobolde – haben sie das Mega-Ei geklaut?

»Kokolampy«: D 2016 | 83 min | Deutscher Wettbewerb  | R: Hajo Schomerus | deutsch, englisch, malagassisch | deutsche, englische Untertitel | Weltpremiere

CineStar 4: 3.11., 22.15 Uhr

Passage Kinos Universum: 4.11.. 19 Uhr

Passage Kinos Universum: 5.11., 13.30 Uhr 


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