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Kultur

Und zwischen den Bäumen glitzert das Wasser

Die Talsperre Eibenstock und der Vogtlandsee erinnern mit großen Gewässern und bunten Wäldern an Kanada

  Und zwischen den Bäumen glitzert das Wasser | Die Talsperre Eibenstock und der Vogtlandsee erinnern mit großen Gewässern und bunten Wäldern an Kanada  Foto: Christoph Schaarschmidt

Wer an Kanada im Herbst denkt, sieht wahrscheinlich große, dichte Wälder und unzählige Seen vor sich, garniert mit den Farbklecksen der Laubbäume oder aufsteigenden Nebelfetzen. Zwei solcher großen Waldgebiete samt sehenswerten Gewässern liegen aber auch in Sachsen – bei Eibenstock im Erzgebirge und rund um Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland, jeweils weniger als zwei Stunden von Leipzig entfernt. »Wie in Kanada«, sagen dazu nicht diejenigen, die Touristinnen und Touristen anlocken wollen, sondern die vor Ort zu Besuch sind.

Als Kanada-Blick schon seit Langem bekannt ist der offiziell »Viechzigblick« genannte Aussichtspunkt bei Hundshübel, einem Ortsteil von Stützengrün. Dort liegt einem die Talsperre Eibenstock zu Füßen, umgeben von bewaldeten Hügeln und überragt vom Auersberg. Mit dem passenden Picknick oder mit Kamera im Morgengrauen lässt sich der Platz am besten genießen. Er liegt am Hundshübler Rundwanderweg, der auf rund 4,5 Kilometern durch Feld und Wald sowie zu einem Kneippbecken führt. Parkplätze gibt es unter anderem am Spielplatz im Ortskern oder am Friedhof. Und wer von der Aussicht nicht genug bekommt, findet Ferienwohnungen oder Wohnmobilstellplätze in Wegesnähe, zum Teil mit dem gleichen Traumblick.

Auf der anderen Seite der Staumauer, in Laufweite der Eibenstocker Badegärten und Hotellandschaft, beginnt am Gerstenbergweg an der B 283 eine ähnlich kurze Rundwanderung auf breiten Wegen, die auch bei denen beliebt ist, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. An der ersten großen Kreuzung links abgebogen, gibt der Wald immer wieder den Blick frei aufs blaue Nass. Nur ans Wasser kommt man unterwegs nicht – denn die größte Talsperre Sachsens dient der Trinkwassergewinnung, demzufolge sind Feuer, Zelten und Ähnliches am Ufer sowie Baden und Wassersport verboten. Wer möchte, kann aber am Wegweiser links abbiegen und die 57 Meter hohe Staumauer besichtigen, die erst seit 2014 überhaupt für Besuche freigegeben ist. Zurück auf dem Rundweg geht es im Uhrzeigersinn weiter.

Keine Spuren von Bären, aber von Bergbau gibt es in den Eibenstocker Wäldern zusätzlich zu entdecken – das Altbergbaugebiet zwischen Staumauer und Ortschaft wurde in die Unesco-Welterbeliste der Montanregion Erzgebirge aufgenommen. Ein Highlight am linken Wegesrand – nach dem Staumauerblick bergauf – ist ein Hunt, eine Art Förderwagen, der den Steigermarsch spielt, wenn man zügig kurbelt. Zudem wurden neue interaktive Lehrpfade durchs Unterholz angelegt, die zu alten Zinnseifen und Gruben führen. Sie sind nicht weit vom Wanderparkplatz an der Bundesstraße zu finden: Ein Zwerg lockt Neugierige vom Hauptweg weg und auf eine abwechslungsreiche, abenteuerliche Runde, Wasserspielplatz inklusive. Ein weiterer Weg beginnt an einem Infoschild, ein dritter Abschnitt soll folgen.

Das Pendant im Vogtland wurde zwar auch künstlich angestaut, das Flair ist jedoch gänzlich anders. Wo die Talsperre Eibenstock blau durch die Bäume leuchtet, ist der Vogtlandsee dunkelbraun. Das liegt an den moorigen Zuflüssen, tut dem Planschen im Sommer aber keinen Abbruch. Auch bei trübem Wetter ist die Stimmung an dem tief im Wald gelegenen Stausee besonders. Vor rund neunzig Jahren zum Hochwasserschutz angelegt, bietet er aufgrund seiner teils unzugänglichen Ufer vielen Wasservögeln Schutz. Einzelne Laubbäume sowie Wasser- und Moorpflanzen sorgen für Farbtupfer. Ringsherum kommt man nur zu Fuß, denn es geht auf vielen Holzplanken über Feuchtgebiete, über Wurzeln und Gestein. Zuwege gibt es zahlreiche, unter anderem aus Richtung Morgenröthe-Rautenkranz und Jägersgrün (mit dem Fahrrad beliebt) oder vom Wanderparkplatz am Waldpark Grünheide. Im gleichnamigen Kinder- und Erholungszentrum vor Ort bietet sich das Wald-Café (außer freitags täglich am Nachmittag geöffnet) zur Rast an – am See selbst gibt es keine Einrichtungen, aber neue Sitzgelegenheiten zum Picknicken. Wer am Waldpark Grünheide startet, muss sich auf etwa fünf Kilometer rund um den Moorsee einstellen. Unterwegs liegt die erst 2021 eröffnete Aussichtsterrasse am Grünheider Hochmoor. Nur dass ein Elch die Freifläche betritt, ist eher unwahrscheinlich.


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