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Kultur

Metallene Memento mori

Die Reihe Bells Echo lädt zu Krallice und Petra Hermanova in die Evangelisch Reformierte Kirche

  Metallene Memento mori | Die Reihe Bells Echo lädt zu Krallice und Petra Hermanova in die Evangelisch Reformierte Kirche  Foto: Spyros Droussiotis

Das Glocken-Echo ist im Regelfall ein Nachklang metallenen Ursprungs. Gleiches gilt für die Leipziger Konzertreihe Bells Echo, deren grafisch lesbare Event-Zählung aktuell IIIII-IINTERIIIII-IIM ergibt. Sie erweitert den auditiven Assoziationsspielraum, und das bei der nächsten Veranstaltung mit beträchtlichem Lautstärke-Sprung. Denn mit der Band Krallice aus Woodhaven Queens, New York City, marschiert Schwermetall in die heiligen Hallen der Evangelisch Reformierten Kirche am Tröndlinring ein. Die Band spielt ihre erste Europa-Tour und, wie sonst auch, Metal der dunkelsten Art: Black Metal! Wobei das 2007 gegründete Quartett auf seiner Bandcamp-Seite eine kleine Distanzierung bietet: »black metal or not«. Stilistisch sind sie mit Stakkato-Riff-Attacken, wild wirbelnden Blast-Hochgeschwindigkeitstrommeln und Schrei- oder Röhrgesang zumeist sicher im hart durchpflügten Definitionsbereich des Genres unterwegs. Bezeichnungshilfen wie Progressive Metal oder Mathcore rahmen den oftmals hymnischen, sich aufschwingenden Weg ins tiefste Schwarz, nicht selten auch noch unterkellert von psychedelischen Krautelementen durch elektronische Querflächen. Der als möglich angedeutete Abstand zum Black Metal liegt aber wohl im untergründigen Überbau, denn mit satanischem Hokuspokus hat die extrem verdichtete Krallice-Klanglandschaft eher nichts zu tun. Was dann wohl auch den Leipziger Kirchengang möglich macht, so darf vermutet werden. Zumindest brennt hier nicht die Kirche, sondern es lodert der Sound – der allerdings so gnadenlos, dass beileibe keine Erlösung erwartet werden sollte. Nicht umsonst hieß die vorletzte Veröffentlichung »No Hope«. Das zur Tour erscheinende Album wurde hingegen mehrdeutig »Scour Order« betitelt.

Wer nun überrascht ist von der schwermetallenen Offensive von Bells Echo, das sich sonst auf schwelgerische Klangexperimente versteht, sei darauf verwiesen, dass sich zumindest die Pforte schon öffnete, als letztes Jahr neben Kali Malone auch Stephen O’Malley von Sunn O))), Khanate und Burning Witch in die Orgeltasten der Thomaskirche griff.

Bevor Krallice aber das Kirchenrund erbeben lassen, geht es mit Petra Hermanova noch mal in tradiertere Bells-Echo-Gefilde. Die in Berlin lebende Tschechin, die von einem Organisten unterstützt wird, rückt ebenfalls mit Metall-Klang an, allerdings eher in zarter Form. Nämlich dem der Saiten einer Zither. Genauer: einer Kastenzither, englisch auch Autoharp genannt. Die allerdings zu den anzuschlagenden Saiten noch eine Klaviatur oder Knopfmechanik hat. Im Übrigen eine Erfindung aus dem Erzgebirge, bekannt jedoch eher aus dem Country, zuletzt aber auch von der Musikerin PJ Harvey genutzt. Bei Hermanova treibt die Zither tief ins Dunkle und entsprechend sind die Themen, wie sich schon im Albumtitel offenbart: »In Death’s Eyes«. Das Album hat sie im Übrigen komplett in Kirchen aufgenommen, wobei die Zither auch für Folkmusik steht, für spirituelle Sinnsuche jenseits der Religion. Im unweigerlich liturgisch assoziierten Orgelklang zeigt sich ein einmaliger Kontrast, hinzu kommt Hermanovas weit ausschwingende Stimme, die schon bei der vorsichtig als Goth-Trip-Hop zu markierenden Band Fiordmoss zu hören war. Deren Album »Kingdom Come« gewann 2018 den Anděl-Preis, eine Art tschechischen Grammy. Zum Topos Tod passt zudem, dass Hermanova 2024 beim Wave-Gotik-Treffen im Monumentaltrauertempel Völkerschlachtdenkmal auftrat. Hermanova ist zudem auch bildende Künstlerin, hat sich viel mit Animation auseinandergesetzt – in einem Interview spricht sie von ihrer »Švankmajer-Phase« – und hat diverse visuelle Arbeiten für andere Musik gemacht. In der naheliegenden Umkehrung fügt es sich also bestens, dass sie kurz nach dem Auftritt nochmals in Leipzig präsent ist, nämlich mit dem Soundtrack zum Film »Lapilli« der slowakischen Regisseurin Paula Ďurinová. Der Film läuft beim Dok-Filmfest und beschäftigt sich – wenig überraschend – mit Tod und Trauer, vom Menschlichen übertragen auf die harte Materie. 

> 24.10., 19.30 Uhr, Evangelisch Reformierte Kirche, www.bellsecho.com


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