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Kultur

Der persönliche Blick

Augenoptikermeisterin Janet Zenk setzt am Ostplatz auf Kontakt und Individualität

  Der persönliche Blick | Augenoptikermeisterin Janet Zenk setzt am Ostplatz auf Kontakt und Individualität  Foto: Marius Mörtl


Schon von Weitem fallen Name und Slogan auf dem Ladenfenster ins Auge: »Sehkontor. Eine Frau. Ein Handwerk. Ein scharfer Blick für gutes Sehen«. Augenoptikermeisterin Janet Zenk hat das Geschäft in der Prager Straße Anfang des Jahres eröffnet.

Für den Slogan habe sie überlegt, was das Besondere an ihrem Unternehmen ist. Zenk ist traditionelle Optikerin – nicht Filialistin einer Kette, sondern Inhaberin ihres eigenen Ladens. Somit arbeitet sie eigenständig, ohne zentrale Vorgaben. »Deshalb geht es zum einen um mich als Person. Zum anderen war es mir wichtig, zu betonen, dass es ein Handwerk ist.«

Mittlerweile fühlt sie sich etabliert und empfängt schon am Morgen Laufkundschaft: Eine Kundin möchte eine Brille abholen, eine andere trägt bereits eine Brille, die aber drückt, weshalb die Frau spontan vorbeikommt und um Rat fragt. Ihr zu helfen ist für Zenk eine Selbstverständlichkeit, für die sie auch keine Vergütung verlangt: »Jeder sollte eine bequeme Brille tragen können.«

Zum Optikerin-Sein gehöre mehr, als die meisten denken, und für eine Brille sei nicht nur die Sehstärke relevant: »Ich berücksichtige auch Alltag, Lichtempfindlichkeit und den persönlichen Stil der jeweiligen Kundinnen und Kunden.« Dabei versucht Zenk, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, bildet sich gern weiter. Denn in ihrem Berufsfeld tut sich viel: »Seit meiner Ausbildung vor etwa dreißig Jahren gibt es mittlerweile ein viel größeres Portfolio an verschiedensten Gläsern, von Gleitsichtgläsern bis Blaulichtfilter. Auch das Thema Kontaktlinse ist komplexer geworden.« Und der modische Aspekt sei heutzutage relevanter.

Auf den gläsernen Regalen im Laden befinden sich Brillen, von denen viele einen auffälligen und abwechslungsreichen Rahmen haben. »Ich mag es am meisten, wenn die Brille auch deutlich zu sehen ist«, sagt Zenk, die selbst eine Brille mit dunklem Rahmen trägt. Die modische Beratung mache ihr viel Spaß: »Ich finde es schön, wenn Kundinnen überrascht sind, dass ihnen eine Brille doch gut steht.«

Auf der Website des Sehkontors ist die Frage »Welche Brille passt zu mir?« ein zentraler Punkt. Über den Illustrationen verschiedener Brillengestelle heißt es: »Finden Sie die Brille, die Ihre Persönlichkeit trägt.«

Tatsächlich nimmt Zenk sich gerne Zeit, um die Persönlichkeit ihrer Kundinnen und Kunden ein wenig kennenzulernen: »Was ich selbst benötige, um einfach selber mit der Arbeit zufrieden zu sein, ist der Kontakt mit Menschen. Jeder Kunde hat einen anderen Fokus, eine andere Sehstärke, ein anderes Bedürfnis, ein anderes Gesicht. Und damit ist jede Beratung einzigartig. So kommt man – also ich arbeite zumindest so – auch aus dem fachlichen Gespräch raus und erzählt sich etwas.«

Zenk ist mit ihrem Geschäft in die Selbstständigkeit gegangen, um ihre eigenen Vorstellungen besser umsetzen zu können. Davor hat sie Erfahrungen bei einem traditionellen Optiker, in einer operativen Augenarztpraxis und bei einem Kontaktlinsenversand gesammelt. Ihre Ausbildung hat sie übrigens tatsächlich bei Fielmann gemacht, wo sie auch lange arbeitete. Die Optikerkette nimmt Zenk nicht als Konkurrenz wahr: »Für jeden Typ Optiker gibt es das entsprechende Zielpublikum. Es gibt Kunden, die sehr gerne selber schauen wollen oder sehr preisbewusst sind. Und es gibt ein Publikum, das eben die Ruhe und das persönliche Gespräch schätzt – und bereit ist, dafür den Euro mehr zu bezahlen.« 


> Sehkontor, Prager Str. 29, 04317 (Reudnitz-Thonberg), Mo/Di, Do/Fr 9–18 Uhr, www.sehkontor.de


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