Dokblog 2026

Ein Geschenk zum 100. Geburtstag

»Kurtág Fragments« feiert Deutschlandpremiere

  Ein Geschenk zum 100. Geburtstag | »Kurtág Fragments« feiert Deutschlandpremiere  Foto: dok leipzig

»Warte einen Moment, bis es sich in Deiner Seele niederlässt«, erklärt der Komponist György Kurtág (*1926) dem Pianisten, der gerade eines seiner Klavierstücke einspielt. In Großaufnahmen sehen wir die zugeworfenen Blicke, die Augenbrauen, die sich auffechern und zusammenziehen, wie die Stirnfalten sich auf und ab wogen. Die Bilder sind ganz nah, schnell vertraut und scheinen, wie die Musik Kurtágs, eine Einladung zu sein, sich berühren, sich ergreifen zu lassen. 

Zentrum der Dokumentation »Kurtág Fragments« ist die Gegenwart des ungarischen Komponisten von Welt, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feierte. Vor 5 Jahre begann der Regisseur Dénes Nagy mit seiner Sammlung an Bruchstücken bzw. Fragmenten aus dem Leben Györgi Kurtágs, die er nicht in eine lineare Geschichte sortiert und dennoch zu einem eindrücklichen Ganzen zusammenfügt. Herzstück ist die Szene, in der Kurtág von einem vierhändigen Klavierstück erzählt, das er gerade so komponierte, dass sich die Hände der Interpreten und Interpretinnen berühren mögen. Ebenso wie er es damals als Kind erlebte, als er von seiner Mutter das Klavierspiel erlernte - damals waren die Berührungen jedoch unabsichtlich. Die Geste wird zur Musik. Die Musik wird zur Geste, zum Gedanken, zum Gefühl, zur Geschichte. Etwa wenn die die kühlen Klavierminiaturen klirren und bisweilen an Unterhaltungen ohne Worte erinnern. Durch das Solostück »Circumdederunt« spukt der Klang des Cellos verheißungsvoll und dunkel, von der Oper »Endgame« (bei dem sich Kurtág dem gleichnamigen Beckett-Stück bediente) geht ein ungeahnter Zauber aus. 


Die Lebensgeschichte des Komponisten drängt sich nicht auf, die Kunst wird nicht erklärt, der Film ist vielmehr eine Handreichung, die einmaligen, ergreifenden Moment hinter den Klängen, hinter Noten und Ideen des Komponisten zu erfühlen. Es ist eine kurzweilige Begegnung, aber eine die man nicht so schnell vergisst! Premiere feierte die Dokumentation zum 100. Geburtstag von György Kurtág in Budapest. Der Protagonist selbst, wie der Regisseur im Anschluss der deutschen Premiere im Rahmen des DOK Leipzigs erzählt, sei bewegt gewesen. CLAUDIA HELMERT

»Kurtág Fragments«
Publikumswettbewerb
Dénes Nagy
Dokumentarfilm
Ungarn 2025 113 Minuten
Deutsche Premiere

28.10.2026, 13.30 Uhr, Cinestar 5
31.10.2026, 20.00 Uhr Cinestar 2


​https://www.dok-leipzig.de/film/kurtag-fragments/programm​


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