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Kultur

Geraubte Holzschnitzkunst

In Leipzig decken findige Kinder »Das Geheimnis der gestohlenen Maske« auf

  Geraubte Holzschnitzkunst | In Leipzig decken findige Kinder »Das Geheimnis der gestohlenen Maske« auf  Foto: Filmstill »Das Geheimnis der gestohlenen Maske«/ Farbfilm-Verleih

Dank der Initiative »Der besondere Kinderfilm« darf man sich seit 2015 über Filme für das jüngste Kinopublikum quer durch alle Genres freuen, die ohne bekannte Roman- oder Franchisevorlagen auskommen. Zwar spielen sie in einer ganz anderen Erfolgsliga als die US-Animationshits von Disney & Co. oder einheimische Buchadaptionen à la »Die Schule der magischen Tiere«. Wer sich und vor allem seine Kinder aber für originelle Stoffe in qualitativ hochwertiger Umsetzung begeistern kann, wird bei Werken wie »Invisible Sue«, »Mission Ulja Funk« oder zuletzt »Pferd am Stiel« regelmäßig fündig.

Nachdem für die Reihe bereits 2018 das Mystery-Schülerabenteuer »Unheimlich perfekte Freunde« zum Teil in Leipzig entstand, wurde der 16. »besondere Kinderfilm« unter dem Titel »Das Geheimnis der gestohlenen Maske« sogar ausschließlich in der Stadt in Szene gesetzt. Im Sommer 2025 surrten die Kameras der Produktion unter anderem im Goethe-Gymnasium in der Gorkistraße, auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz und im Waldstraßenviertel, während man für das große Finale zum Bismarckturm nach Lützschena umzog. Wichtigster Schauplatz ist jedoch das Grassi-Museum für Völkerkunde, in dem sich bedeutende Teile der Handlung abspielen. 

Die dreht sich um die elfjährige Johanna, deren Familie Besuch von Opa Kito aus Tansania bekommt. Johannas Papa Marco hat ein zerrüttetes Verhältnis zu seinem Vater und freut sich nur bedingt darüber, dass der seine Enkelin erstmals persönlich treffen will. Als Kito und Johanna das ethnologische Museum besuchen, entdeckt der Mann eine Maske, die er als Raubgut aus der Kolonialzeit identifiziert: Die Deutschen, die das afrikanische Land bis 1918 besetzt hielten, hätten das Kunstwerk einst aus seinem Dorf geraubt, so seine Behauptung, mit der er sich an Dr. Fischer wendet, die Ost-Afrika-Spezialistin des Hauses. Als diese ihn abwimmelt, kündigt Kito an, er werde dafür sorgen, dass die kostbare Reliquie zurück nach Hause kommt. Bald darauf ist die Maske verschwunden und natürlich fällt der Verdacht schnell auf ihn. Johanna glaubt jedoch an seine Unschuld und macht sich mit ihren Freunden, der sportlichen Sweta und Technikfreak Anton, daran, die Tat aufzuklären – und entdeckt dabei nebenher Unbekanntes aus ihrer Familiengeschichte.

»Das Geheimnis der gestohlenen Maske« bietet einen ansprechenden Mix aus humorvollem Kinderkrimi, Familiendrama und Geschichtsstunde, regt dabei zu vertiefenden Gesprächen zum Thema Beutekunst an. Inszeniert wurde der Film von Nancy Mac Granaky-Quaye, die einen ganz persönlichen Bezug zur Story hat, da ihr Vater einst wie »Babu« Kito als Austauschstudent aus einer ehemaligen afrikanischen Kolonie in die DDR kam. »Besonders hat mich die Frage inspiriert, welche Auswirkungen es hat, wenn die eigene Kulturgeschichte den Einheimischen eines Landes vorenthalten bleibt, weil die Werke der eigenen Künstler in den Kellern europäischer Museen lagern«, erklärt die Regisseurin und ergänzt: »Man stelle sich vor, die Mona Lisa oder die Werke von Albrecht Dürer würden irgendwo im Ausland in einem Keller liegen und wir wüssten nicht einmal, wo!« Für sie gehe es in dem Film außerdem um Freundschaft und Zusammenhalt – Themen, die sie beschäftigen, seit sie denken könne, und die in einer sich polarisierenden Welt immer wichtiger würden. Und dann gibt es da noch eine alte Faszination, die die in Köln lebende Regisseurin in Leipzig endlich ausleben durfte: »Schon als Kind habe ich immer davon geträumt, eine Nacht in einem Museum oder einer Schule eingeschlossen zu werden. Ich habe mir das immer als ausgesprochenes Abenteuer vorgestellt. Die Szenen im Museum zu drehen, hat mir deshalb besonders viel Freude bereitet.«

Eine tiefere lokale Verbundenheit haben einige der Darstellerinnen und Darsteller: Caroline Hanke ist seit 2021 Leipzigerin und gerät in der Rolle von Antons Mutter und Museumswächterin selbst in die Bredouille. An der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« hat Johannas Vater Malick Bauer sein Schauspielstudium absolviert und ist Museumsdirektorin Nela Bartsch als Sprecherzieherin tätig. Als Johannas Großvater Kito und Mutter Lisa sind Komi Mizrajim Togbonou und Peri Baumeister zu sehen, während die Kindercharaktere mit den Nachwuchsstars Muiné Keune, Morris Mayer und Greta Kasalo besetzt wurden – allesamt aus Berlin. Als trotteliges Polizei-Duo sind außerdem die Komikerin Anna Mateur und der als Kika-»Checker Julian« bekannte Julian Janssen mit dabei.



> D 2026, R: Nancy Mac Granaky-Quaye, D: Muiné Keune, Morris Mayer, Greta Kasalo, 100 min, ab 6 J. – zu sehen im Cineplex
> ab 29.10. im Cineplex, Passage-Kinos, Schaubühne Lindenfels


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