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Kultur

Blutspenden für Blutsauger

Wie zwei Brüder ihren Vampir-Film »Thicker than Blood« in Leipzig finanzieren

  Blutspenden für Blutsauger | Wie zwei Brüder ihren Vampir-Film »Thicker than Blood« in Leipzig finanzieren  Foto: Markus Gärtner

In der Halle am Leipziger Gleisdreieck prangt das Graffito eines Monsters mit blutbeschmierten Zähnen – wie ein Vorbote dessen, was hier bald passieren wird. Beim Set-Besuch proben die Schauspielerinnen und Schauspieler eine Kampfszene. Doch bei der gesamten Auseinandersetzung wird das Blut nicht nur wegen Schlägen fließen, sondern wohl auch wegen Bissen. Denn beim zehnminütigen Kurzfilm »Thicker than Blood« stehen sich menschliche Vampirjäger und eine beißbereite Mutter gegenüber.

»Let’s try, slow, 50 Prozent«, weist Stunt-Koordinator Anon Mall die beiden Schauspielerinnen Samia Hofmann und Nova Just an. Dann verdrehen sich die Arme der beiden, Hofmann klammert sich ans Bein ihrer Gegnerin. »Okay, das zweite Mal mit Stöhnlauten.« Anon Mall war unter anderem bei »John Wick 4« dabei und wurde von Keanu Reeves eine Rolltreppe runtergeworfen, Hofmann und Just spielten unter anderem in »Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes« mit. »Weil unser Film so actionlastig ist, haben wir beim Casting darauf geachtet, dass alle unsere Schauspielenden selbst Stunt-Leute sind und keine Doubles brauchen«, erklärt Jacob Wallner.


Blut finanziert den Vampirfilm

Er und sein Bruder Julian stehen hinter dem Action-Film – mit dem naheliegenden Unternehmensnamen »Wallner Brothers«. Die beiden machen seit 2019 gemeinsam Filme. Und (Herz-)Blut spielt nicht nur beim aktuellen Drehbuch eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Finanzierung. Ohne Fördergelder, dafür mit eigenen Mitteln, Crowdfunding und – Blutspenden. Denn die beiden Brüder monetarisieren jeweils ihren Lebenssaft und setzen auf den Marketing-Gag des »ersten Vampirfilms, der mit Blut finanziert wird«. Der 26-jährige Jacob Wallner erklärt: »Wir wollten auch auf dieses Thema aufmerksam machen und Leute motivieren. Viele Menschen brauchen Plasma- und Blut-Spenden. Aber es gehen viel zu wenig selbst spenden.«

Die Spenden-Erlöse decken aber nur einen Bruchteil der Produktionskosten von rund 10.000 Euro. Das Team arbeitet ohne Bezahlung, was zusätzlich Probleme bringen kann: »Als bezahlte Drehs reinkamen, ist jemand aus der Crew kurzfristig ausgestiegen, weil er sagt: ›Hey, ich muss halt meine Rechnungen bezahlen‹. Und das wird bestimmt auch noch mal passieren«, prognostiziert Wallner. Immerhin werden er und sein drei Jahre jüngerer Bruder von vielen Firmen und Bekannten mit Sachspenden unterstützt. So fertigt ein befreundeter Zahnarzt kostenlos die Vampirzähne für die Darstellerin Samia Hofmann an.


Mehr Actionfilme aus Deutschland

Doch Jacob Wallner glaubt trotz aller Hürden an den gemeinsamen Traum vom eigenen Genre-Film – der seiner Meinung nach in der deutschen Film-Industrie schwer erklärbar ein Schattendasein führt. Die Brüder wollten aber unbedingt mal einen Action-Film machen und dabei auch ihr über die Jahre aufgebautes Netzwerk einbringen: »Es gibt superviele krasse Stunt-Performer in Deutschland, die aber hierzulande wenig zu tun bekommen, weil deutscher Film nicht wirklich mit Action gefüllt ist.« Der Film solle deshalb auch als Ansage an die etablierte deutsche Filmindustrie verstanden werden, »aber nicht im Sinne von: ›Wir gegen die deutsche Filmindustrie‹, sondern mehr so: ›Achtung, die jungen Wilden kommen‹«. Der Film soll zunächst auf Festivals und im Kino laufen.

Die beiden Brüder stammen aus einer Künstlerfamilie: der Vater Drehbuchautor, die Mutter Musikerin und Schauspielerin. Beide Brüder sind ausgebildete Mediengestalter für Bild und Ton und verantworten nun bei ihren eigenen Projekten unterschiedliche Bereiche: Jacob mehr hinter der Kamera, Julian eher als Regisseur. Hauptberuflich arbeiten sie bei anderen Produktionsfirmen. Dabei habe die Liebe zum Film die beiden Brüder näher zusammengebracht, offenbart Julian Wallner: »Wir hatten nicht so viele Verbindungen oder gemeinsame Themen, bis dann der Film da war. Und seitdem wir zusammen Filme drehen, ist unsere Beziehung auch wirklich krass geworden als Brüder.« Jacob wohnt noch in Dresden, Julian seit einem Jahr in Leipzig. »Die Leipziger Filmszene ist total faszinierend. Hier gibt es viel Nachwuchs, der bis jetzt aber zu wenig Chancen oder nicht genug Aufmerksamkeit bekommt«, findet er.

Für künftige Projekte wollen sich die Wallner-Brothers auch an anderen mystischen Kreaturen ausprobieren – ­eventuell verbunden mit dem Thema deutsche Geschichte. »DDR und Mauerfall wurden schon zu Tode gedreht, aber vielleicht gibt es da eine Möglichkeit, auch mal einen gewissen Genre-Twist einzubringen«, hofft Julian Wallner. 


> www.wallnerbrothers.com


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