anzeige
anzeige
Andor Hirsch

Andor Hirsch

HUN/F/D/GB 2025, R: László Nemes, D: Bojtorján Barabas, Andrea Waskovics, Grégory Gadebois, 132 min

László Nemes hat schon mal von der Shoah erzählt. 2015 löste sein Film »Son of Saul« Begeisterung und Kritik gleichermaßen aus. So nah kam man dem Protagonisten. So tief wurde man in die Welt des Konzentrationslagers verstrickt. »Andor Hirsch« spielt über zehn Jahre nach der Befreiung der Lager. Schauplatz ist Budapest, kurz nach dem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand. Auf den Straßen herrschen die Kommunisten, unterstützt durch die Sowjet-Armee. Eine vermeintlich andere Welt, und doch bleibt die Shoah in fast jeder Einstellung präsent. Ein Mann, der mit starren Augen am Küchentisch sitzt. Die leeren Bänke in der jüdischen Gemeinde. Antisemitische Beleidigungen, die über die Straße gebrüllt werden. Der junge Andor Hirsch und seine Mutter schlagen sich mehr schlecht als recht durch. Die Mutter als Verkäuferin. Der Sohn auf den Straßen, inmitten der bombengeschädigten Häuserzüge. Die Geschichte ist schnell zusammengefasst, wird aber von Nemes über gute zwei Stunden erzählt: Andor wartet vergeblich, dass sein Vater aus dem Lager zurückkommt. Stattdessen taucht eines Nachts ein fremder Mann in der Wohnung der Mutter auf. Ein Schock für den Jungen. »Andor Hirsch« ist physisches Kino. Die Kamera lauert stets nur eine Armlänge entfernt, lässt den Zuschauern kaum Gelegenheiten zum Durchatmen. Ein packendes Drama, dem jedoch irgendwann die Luft ausgeht. Josef Braun


Weitere Empfehlungen