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Anne Herzel

Anne Herzel

Lichter unter London. 3 Bd.: Verlorene Städte, Vergessene Sterne, Schlammlerche. Ludwigsburg: Cross Cult 2025–26. Jeweils 18 €

Anne Herzel.

Tiefenforellen und Magmaschnecken, wandernde Steine und Prunkalligatoren: Allerhand seltsame Wesen tummeln sich in den Londoner Katakomben. Zumindest, wenn man der Leipziger Autorin Anne Herzel glaubt. Ihren Chroniken zufolge ist die Unterwelt der englischen Hauptstadt nicht nur von Monstern besiedelt. Dort leben Menschen, die kein Vitamin D brauchen und sich im Kampf mit den Oberweltlern befinden. Denn diese wollen den kapitalistischen Raubbau unter die Erde bringen. Es geht in »Lichter unter London« um unerschöpfliche Energiequellen und einen permanenten Abstieg. Zumindest in den ersten beiden Bänden. Der dritte ist Mitte April erschienen. Die Protagonistin der ersten beiden Bände ist Maeve O’Sullivan. Eine Wette führt die irische Studentin der Untergrunderforschung ins Londoner U-Bahn-System, um von dort in tiefere Schichten zu gelangen. Was Maeve nur aus der Theorie und damit geschönt kennt, erweist sich als raue Realität. Dort warten Schätze und Gefahren. Nur wenige Menschen arbeiten in der Tiefe und behalten ihre kolonialistischen Geheimnisse für sich. Fantastisches zusammengeschüttelt hat Herzel, im fränkischen Dinkelsbühl geboren und mittlerweile an der Pleiße lebend. Es ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Roman, Abstiegstrauma und Fantasy-Parforceritt. Um es bildlich zu machen: »Skulddugerry Pleasant«, »The Descent« und »Yoko Tsuno« werden mit dem Zauberstab verrührt. Besonders an Letztere erinnert der erste Band »Verlorene Städte«, gleichen die Begegnungen mit der unterirdischen Zivilisation doch den Episoden der Comic-Serie, wenn die geheimnisvollen Vineaner auftauchen. Wie der Comic durch die Ligne claire besticht, verfügt Herzels Sprache über klare Züge, ist verständlich und reichlich bildlos. Dafür taumeln Maeve und ihre Gefährten von einer Turbulenz zur nächsten, bleiben Tempo und Spannung hoch. Das ist zugänglich für eine breite Leserschaft. (...) Tobias Prüwer


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