anzeige
anzeige
Josephine Tey

Josephine Tey

Der falsche Erbe. Aus dem Englischen von Harry Kahn und Christina Müller. Mit einem Nachwort von Ruth Rendell. Zürich: Oktopus 2025. 416 S., 24 €

Josephine Tey.

Die Familie Ashby lebt auf ihrem Landsitz Latchetts im Süden Englands, die Volljährigkeitsfeier des ältesten Sohnes, Simon, steht kurz bevor, alles scheint in bester Ordnung zu sein, das Leben verläuft in ruhigen Bahnen und bescheidenem Wohlstand. Bis der tot geglaubte Patrick wieder auftaucht, der seinem angeblichen Zwillingsbruder täuschend ähnlich sieht: »Alles schien die Angaben des jungen Mannes zu bestätigen.« Der erzähltechnische Kniff: Die Leser wissen, dass er ein Betrüger ist. Die Familie weiß das nicht – jedenfalls fast die ganze Familie. Denn es gibt ein Geheimnis in der Familiengeschichte, das nur einer kennt und das erst am Schluss aufgeklärt wird. In dieser Familie haben fast alle eine Affinität zu Pferden, denn zum Landgut gehört ein Gestüt. Simon ist begeisterter Rennreiter, seine Schwester Eleanor züchtet Pferde und in den Beschreibungen bestimmter Eigenschaften der Pferde zeigen sich Ähnlichkeiten mit ihren Besitzern. Der heimgekehrte älteste Sohn fügt sich problemlos in die Familie ein, alle schätzen und mögen ihn, bis auf Simon, der nun nicht mehr der Erbe des Gutes sein wird. Zwischen Simon und Patrick entwickelt sich ein spannendes Pokerspiel um das Erbe. Tey schildert die raffinierten kriminellen Machenschaften, die einen Fremden zum Erben von Latchetts machen – leider ist die Übersetzung problematisch hinsichtlich Grammatik und Idiomatik. Der Konflikt köchelt nach Patricks plötzlichem Auftauchen unter der Oberfläche, kommt schließlich zum Ausbruch und hat einen weiteren Toten zur Folge. Es gelingt Tey, die Spannung aufrechtzuerhalten, und insbesondere Pferdeliebhaber werden die vielen Geschichten um diese Tiere zu schätzen wissen. Für alle anderen hat der Roman gewisse Längen. Joachim Schwend


Weitere Empfehlungen