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Ariel Magnus

Ariel Magnus

Die Verbliebenen vom Tempelfeld. Berlin: Mikrotext 2025. 248 S., 25 €

Ariel Magnus.

Jamil, etwa 18 Jahre alt, ist allein aus Syrien geflüchtet und in einer temporären Unterkunft auf dem Tempelhofer Feld in Berlin untergebracht worden. Die Unterkunft ist mittlerweile aufgelöst, aber Jamil, der sonst nirgendwo hinkonnte, ist einfach dortgeblieben, in seinem Container. Der stillgelegte Flughafen um ihn herum ist zu seiner ganzen Welt geworden, die er sich meistens mit Santiago teilt, einem Tagträumer und Idealisten. Ergänzt wird die »Feldfamilie« durch weitere Figuren, die alle nicht so recht dorthin passen, aber dann wiederum doch, weil sie sich sehr gut ergänzen und die ganze Welt auf den Flugplatz bringen. Ihre Hauptidee, aber bei Weitem nicht die absurdeste, ist, die größte Veranstaltung auf das Tempelhofer Feld zu bringen, die es dort je gab, denn es könne ja nicht sein, »dass die Nazis mit ihrer Kundgebung am 1. Mai 1933 immer noch den Besucherrekord auf dem Tempelfeld hielten, auch wenn sie damals die Zuschauer fürs Kommen bezahlt hatten«. Das Thema: ein Musikfestival, bei dem die Bands alle etwas mit Essen zu tun haben. Der Autor Ariel Magnus wurde als Enkel deutsch-jüdischer Einwanderer in Buenos Aires geboren, hat schon selbst über zwanzig Romane geschrieben und viele weitere übersetzt. »Die Verbliebenen vom Tempelfeld« ist sein erster Roman, der direkt auf Deutsch erschienen ist; die jahrelange Erfahrung und Beschäftigung mit der deutschen Sprache ist in jeder Zeile zu lesen. Immer wieder wird Sprache reflektiert, gebogen und ironisch gebrochen. Mit großartigem Humor werden alle möglichen Themen verhandelt und dieser Clash der Kulturen im Mikrokosmos verliert trotz aller Skurrilität niemals seine Ernsthaftigkeit. Nicht mal Fliegen ist schöner. Alexander Böhle


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