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Tessa Hadley

Tessa Hadley

Die Party. Aus dem Englischen von Marion Hertle. Zürich: Kampa 2025. 128 S., 22 €

Tessa Hadley.

Zwei Partys bilden zentrale Wendepunkte im Leben der Schwestern: Evelyn, die Verträumte, studiert Französisch, Moira, die Energische, Kunst und Modedesign. Sie kommen aus einem konservativen, bürgerlichen Elternhaus und leben in Bristol. Evelyn geht regelmäßig in die Kirche und unterrichtet in der Sonntagsschule, doch sie erkennt, »dass das Licht dieser Religion zu blass und dürftig war, um die ganze Wirklichkeit dessen zu umfassen, was sie wollte«. Auf einer Party in einem Pub im anrüchigen Hafenviertel von Bristol lernen sie zwei offensichtlich wohlhabende Herren kennen, die nicht so recht in das Milieu des Pubs mit den Studierenden und deren linksalternativen Thesen zum britischen Empire und der Gesellschaftspolitik passen. Die beiden Herren laden die Schwestern ein paar Tage später zur nächsten Party in einem hochherrschaftlichen Haus in einem teuren Vorort von Bristol ein. Ein kleiner Kreis von Gästen langweilt sich durch den Abend mit Gesellschaftsspielen und reichlich Alkohol. Zu fortgeschrittener Stunde ziehen sich alle in die vielen Schlafzimmer im Haus zurück. Am nächsten Morgen, »diesem wunderschönen, eiskalten Morgen«, ist die Welt für Evelyn und Moira eine andere. Sie sind beide auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden einen großen Schritt vorangekommen. Evelyn und Moira fühlen sich, »wie sie es am meisten wollten, geheimnisvoll und unergründlich«. In bildreicher Sprache vermittelt Hadley einen Eindruck von der Gesellschaftskritik der jungen Generation im Gegensatz zur dominanten konservativen englischen Standesgesellschaft. Die beiden jungen Frauen lebten bisher irgendwo zwischen diesen Welten und finden ihren Weg in ein eigenes, selbstgewähltes Dasein. Eine bewegende und sehr lesenswerte Geschichte. Joachim Schwend


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