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Nils Langhans

Nils Langhans

Irgendwann kommt immer ein Meer. Frankfurt/Main: Schöffling & Co. 2025. 128 S., 20 €

Nils Langhans.

Wenn ein Mensch stirbt, bleibt den Zurückgebliebenen nur die Erinnerung. Aber diese ist selektiv, hat oft Leerstellen und bietet Platz für eigene Interpretation. Genau hier setzt der Debütroman von Nils Langhans an. »Irgendwann kommt immer ein Meer« nähert sich dem Verhältnis zu seinem schon länger verstorbenen Vater. Trotzdem ist es kein Trauerroman im klassischen Sinn, sondern ein Werk, das sich dem Verlust zögernd öffnet. Fast wirkt es wie ein spätes Ringen um Vertrautheit. In episodischen, verdichteten Szenen folgt der Roman dem Ich-Erzähler durch eine Zeit aus Erinnerungen, Sprachlosigkeit und verhaltener Nähe. Vieles bleibt unausgesprochen, manches wiederholt sich. Die Erzählweise ist fragmentarisch, die Kapitel sind kurz. Die Sätze – mal ruhig, mal spröde, mal lakonisch – umkreisen das Thema der Trauer, ohne in Pathos zu verfallen. Langhans gelingt es, die Beziehung zwischen Vater und Sohn jenseits von Klischees darzustellen. Es entsteht ein leises, realistisches Bild zweier Menschen, die nebeneinanderher lebten. Jeder Satz scheint abgewogen. Umso mehr stört beim Lesefluss die durchgehend nicht reflexive Verwendung des Verbes erinnern. Wohlwollend könnte man sagen, der Autor unterstreicht damit die distanzierte Verarbeitung des Todes. Das nicht reflexive Erinnern wirkt jedoch wie ein Fremdkörper, vor allem weil es mehrfach pro Seite erscheint. Alles in allem bleibt der Text eigentümlich kühl und reserviert. Er gleitet ohne dramatische Spannungsbögen dahin und gleicht einem mechanischen Abrufen von Erinnerungen. Jegliche Emotionen sind stark gebändigt. Der minimalistische Roman verlangt dem Leser letztlich eine gewisse Geduld, Kombinationskraft und Interpretationsbereitschaft ab. Manja Reinhardt


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