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Betterov

Betterov

Große Kunst

Große Kunst

Große Kunst dreht sich um … Menschen. Große Kunst berührt … Menschen. Deshalb ist »Große Kunst« große Kunst. Das zweite Album des Thüringers Manuel Bittorf alias Betterov ist das musikalische Gegenstück zu Romanen wie »Wild Wild Ost« oder »Die schönste Version«. Es erzählt vom Aufwachsen in der (Nach-)Wendezeit, ohne die Aggressivität dieser Baseballschlägerjahre, aber mit der dringlichen Emotionalität der gebrochenen Biografien, die diese Zeit begleitete. Dabei ist Manuel Bittorf dafür eigentlich zu spät geboren, nämlich 1994. Mit einer Generation Abstand beobachtet er und spürt nach. Wenn er in der Doppel-Single »17. Juli 1989« und »18. Juli 1989« von der Flucht seines Vaters und der Trauer seiner daheim gebliebenen Mutter erzählt, dann sind das verschwommene Erinnerungen. Wenn er in »Sag nicht deinen Namen« von Stasi und Akten singt, dann kennt er das allenfalls aus Erzählungen. Mehr fernes Gefühl als Wissen sind vermutlich auch die Fahrten in »Papa fuhr immer einen großen LKW«. Ein Gefühl zwischen Das-kann-doch-nicht-alles-gewesen-sein und Wenn-du-nicht-dreckig-bist-hast-du-nicht-gekämpft. Auf »Große Kunst« schafft Betterov es aber auch, in 45 Minuten und 17 Tracks diese Gefühle von der Vergangenheit ins Jetzt und Heute zu heben. Oder wie in »In meinem Zimmer spielen sich Dramen ab« auf die Größe eines Kinderzimmers zu komprimieren. Die Welt mit ihren Herausforderungen (und ihrer Schönheit) war 1989 sicher nicht dieselbe wie heute. Aber die Unsicherheit, die Wut und die Trauer sind nach wie vor da. Gebrochene Herzen und schüchterne Hoffnung werden nie alt. Und beides bringt Betterov in Strophen und Zeilen hervorragend auf den Punkt. Mit mal dringlichem, mal zerbrechlichem Gesang. Mit Gitarren, die mal zerstören und mal streicheln wollen — ganz wie das Gefühl es verlangt. Die Stärke des Albums ist nicht nur die Lyrik, sondern auch die Musik, die ganz im Dienst der Texte und ihrer Gefühle steht. Zusammen berühren sie. Und sind durchaus »Große Kunst« Kerstin Petermann


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