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Breaking Rust

Breaking Rust

Unbroken

Unbroken

»I’m gonna be me, and stay busy working hard and being free« – wenn ein Album schon mit solchen Lyrics startet, sollte man am besten gleich ausmachen, da wird nichts Gutes mehr kommen. Die Zeilen stammen vom Country-Soul-ähm-»Künstler« Breaking Rust. Und der einzige Grund, warum man sich damit näher auseinandersetzen sollte, ist, dass es sich hier um ein Phänomen handelt, das die Musikwelt in nächster Zeit noch ausgiebig beschäftigen wird. Hinter Breaking Rust steckt nämlich kein echter Künstler – die Musik ist 100 Prozent KI-generiert. Auch das wäre an sich noch nicht sonderlich interessant, schließlich werden mittlerweile jeden Tag um die 50.000 (!) KI-generierte Songs bei den Streaming-Diensten hochgeladen. Erwähnenswert ist Breaking Rust allerdings, weil dessen Song »Walk my Walk« es im letzten Jahr auf Platz 1 der US-amerikanischen Billboard-Country-Charts schaffte. »Unbroken« ist nun quasi sein Debütalbum und sammelt ebenfalls Streams in Millionenhöhe. Über den Inhalt muss man nicht viele Worte verlieren: Textlich ist das Ganze eine Aneinanderreihung einfallslosester Klischees über Freedom, Whisky und Regrets. Dass der authentische Cowboy, der unbeirrt seinen Weg geht, bloß eine maschinell erzeugte Simulation ist, ist dabei natürlich besonders ironisch. Zugeben muss man leider, dass zumindest die Vocal-Performance Peak ist: rau, soulig, sogar so etwas wie Schmerz in der Stimme. Wer nicht weiß, dass es sich hier um das Werk einer Maschine handelt, hört das nicht. Als Phänomen ist Breaking Rust auch kein Einzelfall. Die KI-Sängerin Xania Monet hat mit einer ähnlich generischen R’n’B-Simulation kürzlich sogar einen millionenschweren Plattenvertrag unterschrieben. Tja, was bleibt nun als Fazit? Ist das jetzt der Untergang der Pop-Musik? Vielleicht ein Trost: Wenn KI in Zukunft die nervige Arbeit des Songschreibens übernimmt, haben Musikschaffende zumindest mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben, wie die Steuererklärung oder das Bad putzen. Yannic Köhler


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