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Weird & Eerie

Weird & Eerie

Folksongs from the www

Folksongs from the www

Folk ist als musikalischer Bezugspunkt ähnlich flüchtig wie Jazz. Glaubt man, ihn auf einen Punkt gebracht zu haben, ist er im nächsten Moment schon wieder in Auflösung begriffen. Doch gerade inmitten dieser begrifflichen Konfusion kann auch ein besonderer Reiz stecken, wie das Debütalbum »Folksongs from the www« von Weird & Eerie unterstreicht. Hinter dem Namen verbirgt sich mit Ja,-Panik-Frontmann Andreas Spechtl, dem Autor und Dramatiker Thomas Köck, der Jazzschlagzeugerin Katharina Ernst sowie der Keyboarderin und Saxofonistin Annea Lounatvori eine so vielversprechende wie zugleich erstaunliche Besetzung. Als erstaunlich erweist sich auch das klangliche Ergebnis des Quartetts, das – wie der an ein Buch des britischen Kulturtheoretikers Mark Fisher angelehnte Projektname bereits andeutet – einigermaßen unheimlich daherkommt. Das hat seinen Grund, setzen sich Weird & Eerie auf dem Werk inhaltlich doch mit den längst verlorenen Potenzialen des Internets auseinander: Was 1998 noch Emanzipation versprach, hat sich nicht erst mit Chat-GPT & Co. ins komplette Gegenteil verkehrt. So erweisen sich die Versprechen von einst als die Gespenster von heute. Dementsprechend schichtet das Quartett hier düstere Synthesizer-Klänge übereinander, die von der vertrackten Rhythmik Katharina Ernsts zusammengehalten werden. Im Zentrum stehen jedoch Spechtls mehr gesprochene als gesungene Lyrics, die keine Geschichten erzählen wollen, sondern in ihrer Wechselseitigkeit lange, mitunter kryptische Assoziationsketten bilden. Wohin sie tragen, ist ungewiss. In einer Welt der vollständigen Berechenbarkeit ein kleiner Hoffnungsschimmer. Luca Glenzer


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