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Iceage

Iceage

For Love of Grace & the Hereafter

For Love of Grace & the Hereafter

Aktuell gibt es wohl kaum eine Rockband, die über die Zeit ihres Bestehens einen derartigen musikalischen Wandel hingelegt hat wie Iceage aus Dänemark. Ihr Weg führt von klassischem, brachialem Postpunk auf ihrem 2011er Debüt über einen eigenwilligen Postpunk-Goth-Mix auf »Plowing into the Field of Love« bis hin zu Americana-Rock auf »Seek Shelter« inklusive der Stadion-Hymne »Shelter Song«. Auf der neuen LP ziehen sich Iceage nun wieder ein neues Sound-Gewand an: Ist »The Weak« eher eine schmissige Rock’n’Roll-Nummer, wird auf »Ember«, »Salve for every Sore« und »Lifetime« mit voller Wucht der Indie-Sound der 2000er heraufbeschworen. Die Band weiß, wie man knackige Rocksongs schreibt, und bringt auch auf Album Nummer sechs eine Menge Spielfreude mit. Trotz der Texte, die ernste Themen voller Herz- und Gesellschaftsschmerz verhandeln, klingt die Musik wie schon auf dem Vorgänger »Seek Shelter« insgesamt zuversichtlicher und weniger finster als auf den früheren Alben – mit eingängigen Melodien in den Refrains. Man kann sich bildhaft vorstellen, wie das Publikum verdrossene Hooks wie »Get ready for a Lifetime of Beatings, Child« mitgrölt – da geht eine interessante Schere zwischen schmerzbehafteten Texten und eingängiger musikalischer Untermalung auf. Die Eingängigkeit stellt sich nach dem Hören aber als Pferdefuß heraus: Als Hommage an die Nuller- und Zehnerjahre funktioniert das Album, anders als auf »Seek Shelter« schaffen Iceage es aber nicht, die Hommage abseits der Texte durch ihre Handschrift auf spannende Weise aufzubrechen und zu bereichern. Jakob Semmer


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