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Brockhoff

Brockhoff

Easy Peeler

Easy Peeler

Wann hast du das letzte Mal beim Mandarinen-Schälen geflucht? Schalen, die immer am Fruchtfleisch kleben bleiben oder es unbarmherzig herausreißen. Und schon bist du genervt und hast keinen Bock mehr auf die Frucht. – Brockhoff besingt in ihrem Debütalbum »Easy Peeler« die gefügige Schwester der schwer und anstrengend zu schälenden Zitrusfrucht. Die, deren Schale locker-fluffig wie von selbst abgleitet und uns willig das saftige Fruchtfleisch offenlegt. Gleich im Opener und Titeltrack offenbart Brockhoff mit rauchiger, aber emotionaler Stimme die Schattenseiten dieser Willfährigkeit und Angepasstheit. Die Hamburgerin singt von Verletzlichkeit und Enttäuschung, aber auch von Selbstaufgabe: »You don’t know what it means to crawl out of your Skin«. Symphonische Streicher und schwere Gitarrenriffs unterstreichen die emotionale Dringlichkeit. Und trotzdem schwingt immer etwas Leichtes mit in den Melodien und den Pop-Arrangements. Es ergibt Sinn, dass der Song so zentral ist, denn er verspricht, was die anderen 13 Songs auf dem Album halten, und gibt damit das Thema vor: Traumwandlerisch fängt Brockhoff melancholische, nachdenkliche, manchmal auch beklemmende Momente ein und kleidet sie musikalisch in ein Indie-Gewand. Ein alter Mann, der Tauben füttert, ist dann nicht unbedingt ein romantisches, beschauliches Bild, sondern wird zu einer Szene aus Hitchcocks »Vögel«. Gleichzeitig kann aus Melancholie Produktivität erwachsen. Das sind die Widersprüche, mit denen Lina Brockhoff sich persönlich und als Künstlerin auseinandersetzt. Und die schließlich zu Songs werden, die sich schmerzlich-schön und bitter-süß in Herz und Ohr einnisten. Kerstin Petermann


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