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Charles Derennes

Charles Derennes

Ungeheuer am Nordpol. Heidelberg: Flur 2025. 256 S., 22 €

Charles Derennes.

Manchmal fragt man sich schon, wieso einige Bücher übersetzt werden und andere nicht. Das »Ungeheuer am Nordpol«, erstmals 1907 erschienen, hat schlappe 118 Jahre auf seine Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche warten müssen. Zu Unrecht, ist es doch wunderbar anschlussfähig für Fans von Science-Fiction à la Jules Verne, aber auch anderer Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Denn Charles Derennes’ Roman bietet neben einer spannenden Abenteuergeschichte auch eine geschickte Verknüpfung zweier unterschiedlicher metafiktionaler Techniken. Zu Beginn beteuert der Erzähler der Rahmenhandlung die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Das Ende lässt allerdings offen, wie zuverlässig der als Quelle zitierte Erzähler der Binnenhandlung tatsächlich ist. Immer wieder geht es so neben der fantastischen Geschichte auch um die Frage nach Authentizität im grundsätzlich fiktionalen Roman. Die Handlung knüpft insofern daran an, als die Überlegungen zur Nordpol-Reise selbst und vor allem zum genutzten Transportmittel wissenschaftlich fundiert wirken und das Buch so auch zur »wissenschaftlichen Phantastik« gezählt werden kann, wie der Umschlag schon verrät. Die Handlung ist gut gealtert: Die Entdeckung geheimnisvoller Echsenmenschen schließt nahtlos an gegenwärtige Verschwörungstheorien an, zugleich wird kritisch das menschliche Bedürfnis reflektiert, alles in der Natur beherrschen zu wollen und dabei zu schnell von sich auf andere zu schließen. Dieter Meiers Übersetzung überzeugt ebenfalls. Sie biedert sich weder dem Publikum der Gegenwart zu sehr an, noch wirkt sie gekünstelt oder unverständlich. Joachim Kern


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