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Daniela Chmelik

Daniela Chmelik

Die Bärin. Sulzbach: Ulrike Helmer 2025. 200 S., 22 €

Daniela Chmelik.

Dinah, 40 mit Kinderwunsch, taumelt in ihr Beziehungsende: »Mein Grübeln und Fühlen ist ein Sumpf. Ich will nicht fühlen. Ich will ein dickes Fell.« Als sie sich ein Bärinnenkostüm überstreift, passiert es: »Sie poetisiert und manchmal ahnt sie, dass sie damit ihr Leiden fixiert. Sie wetzt Sätze« mit einem Herz aus »Hack«. Sie lungert am Fernseher in ihrem vierten Stock herum, liest Bücher und schaut Filme über Bärinnen, recherchiert zu Susan Sontag und sucht nach einem vorläufigen, später nach einem neuen Narrativ. Dinah lässt sich an die Ostsee und nach Sarajevo spülen, ringt mit dem Widerfahrenen und dem Gewollten: »Es gibt genug Gründe gegen dich. Warum leide ich? Mein Leiden ist unverhältnismäßig. So doll, wie ich leide, so toll ist unsere Beziehung gar nicht gewesen.« Immer wieder zieht es sie zu ihrem Fenster. »Er hält Kontakt wahrscheinlich nur, weil er ein schlechtes Gewissen hat, sagt die Bärin sich. Und sie hält Kontakt, um festzuhalten, was verloren ist.« Ihr Netzwerk aus Freundinnen und Freunden hält zu ihr, bringt sie auf Spur und zurück in einen machbaren Alltag. »›Das Medikament unserer feministischen Praxis ist Wut!‹, ruft Karo ins Telefon.« In ihrem zweiten Roman lotet Daniela Chmelik das Verlassenwerden in seiner Tiefe und Widersprüchlichkeit aus, die Zeit, in der die »emotionale Grundsicherung« abhandenkommt. Die Komplexität, mit der Chmelik die widersprüchlichen und ambivalenten Gefühle der Protagonistin einfängt, formuliert das sonst Weggeschwiegene aus. Liebevoll auserzählt sind jene Szenen, in denen Dinah mit ihrer Nichte Pilvi und anderen Kindern zusammen ist. Es ist ein Buch über Autoaggression, Frauen und Wut sowie die Bedeutsamkeit von Freundschaft. Suse Schröder


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