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Emeli Glaser

Emeli Glaser

Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten. Neu-Isenburg: Westend 2025. 144 S., 20 €

Emeli Glaser.

Emeli Glasers Kurzgeschichten lassen einen etwas ratlos zurück. Sie regen zum Denken an – so weit, so gut. Die Ratlosigkeit mag ein wenig aus der Erwartungshaltung kommen: »Männergeschichten« aus Berlin verspricht der Titel. Und ja, die Geschichten spielen in Berlin und Männer gibt es auch, aber viele der Texte haben eine größere Allgemeingültigkeit, greifen das kleinbürgerliche Leben ganz allgemein auf und an. Dabei scheint der Schwerpunkt der Kurzgeschichten gar nicht so sehr auf den titelgebenden Männern zu liegen: Drei der sieben Storys haben eine ähnliche Pointe, nämlich das rechte politische Spektrum, bestehend aus Nazis, Reichsbürgern und rechten Esoterikern. Das erscheint vor allem bei der zweiten Geschichte – »Optionale Anschlussfragen« – etwas unnötig, denn das Eintauchen in eine Welt von Pseudowissenschaften wäre auch oder gerade ohne diesen Twist sehr gut aufgegangen. Auch das mentale DDR-Erbe und ein schwelender Ost-West-Konflikt beeinflussen die Texte mehr als der Fokus auf Männer. Darüber hinaus vermitteln die Geschichten vor allem ein durchgehendes Gefühl von Tristesse und Einsamkeit, das als gemeinsamer Nenner unserer Gesellschaft ausgestaltet wird. Das trifft einen Nerv, nicht nur in Berlin. Die abschließende Titelgeschichte, in deren Mittelpunkt eine Bande Polizei spielender junger Mädchen steht, ist besonders überzeugend, das Durchlesen des kurzen Bandes lohnt also insgesamt doch. Joachim Kern


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