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Mary Horlock

Mary Horlock

Das Geheimnis von Litt le Sark. Roman. Übersetzt von Birgit Salzmann. Zürich: Oktopus 2025. 352 S., 24 €

Mary Horlock.

Für Menschen, die ihre Lektüre nach der Skurrilität des Handlungsortes auswählen, ist »Das Geheimnis von Little Sark« ein Muss. Sark ist eine der Kanalinseln, östlich von Guernsey gelegen, Little Sark ihr südlicher Zipfel. Die Ortsnamen verraten britische und französische Einflüsse. Gegenwärtig leben laut Wikipedia etwa 500 Menschen in dieser sehr pittoresken Abgeschiedenheit. Beste Zutaten also für einen klassischen Krimi mit einer Menge seltsamer Käuze. Elise Carey ist die Postbeamtin von Sark. Seit ihr Mann nach einem heftigen Streit spurlos verschwunden ist, zieht sie ihre Tochter Phyll allein groß. Phylls bester Freund Everard, der stille Sohn des eitlen Major Earnest Hyde, verbringt seine Ferien auf Sark. Weitere Figuren sind die alte Maud Pratt, ehemalige Hebamme von Sark, das Künstlerpaar Paul und Ann Cecil samt Tochter sowie die Urlauberin Sarah Williams, eine junge Witwe. Dazu gesellen sich eine unheimliche Fremde (der Geist einer ermordeten Frau?) und ein junges Paar, das tot aus dem Meer geborgen wird. Mary Horlocks Roman spielt auf zwei Zeitebenen: 1923 und 1933. In beiden Jahren geschehen schicksalsträchtige Ereignisse, die die Inselbewohner miteinander verbinden. Die Autorin, selbst auf Guernsey aufgewachsen, spielt mit Versatzstücken von Agatha-Christie-Krimis ebenso wie mit denen von Mystery-Geschichten. Dabei ist ihr Ton oft vertraulich, sie bezieht den Leser ein – beziehungsweise die Leserin. Denn im Verlauf der Handlung wird immer deutlicher, dass es hier um Gewalt von Männern an Frauen und Kindern geht. Und um den Zusammenhalt von Frauen über die Generationen hinweg. Am Ende ist klar, dass es manchmal Geister braucht, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Andrea Kathrin Kraus


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