anzeige
anzeige
Dry Cleaning

Dry Cleaning

Secret Love

Secret Love

Auf dem dritten Langspieler des Quartetts aus Südlondon setzen sich Überforderung, Angst und gesellschaftlicher Druck unmittelbar im eigenen Körper fest. Stress bleibt hier nicht abstrakt, sondern schlägt direkt auf Haut, Gliedmaßen und Organe durch. Die Augen werden bei einem Bootstrip verbrannt, Blut taucht auf Haut, in den Augen und unter den Nägeln auf (»Blood«). »I constantly think there are Spiders on me and around me«, resümiert Frontfrau Florence Shaw in »Let me grow and You’ll see the Fruit«. »Evil Evil Idiot« zeigt einen Körper, der vorzeitig verbraucht ist. Der Genuss von verbranntem Essen steht hier neben Verfall und Kontaminationsangst. Der Körper schwankt zwischen Lust und Zersetzung, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Daneben verhandelt das Album vermeintlich leichter zugängliche Themen wie die Unmöglichkeit echter Nähe und Zuneigung (»Secret Love«, »The cute Things«), Leistungsdruck und Machismus. In einigen sehr gelungenen Zeilen – die im bekannt monoton-lethargischen Spoken-Word-Vortrag von Shaw gelegentlich untergehen – plädiert »Secret Love« jedoch für Sanftheit, das Eingestehen der eigenen Schwäche und Überforderung in einer dauererhitzten Zeit. Getragen wird all das von groovigen, eingängigen Riffs, die stellenweise an The Fall erinnern und dem Album trotz seiner Schwere eine erstaunliche Zugänglichkeit verleihen. Ein Muss bei der nächsten Augenspülung. Jonas Fritzsche


Weitere Empfehlungen