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Mads Ananda Lodahl

Mads Ananda Lodahl

Sauna. Aus dem Dänischen von Andreas Donat. Berlin: Albino 2025. 248 S., 25 €

Sauna

Zwei Männer Anfang zwanzig begegnen sich am Tresen der Schwulensauna: Johan arbeitet hier, William ist zu Gast, die beiden gefallen einander. Dass William trans ist, wie er Johan offenbart, stellt für diesen nicht nur kein Hindernis dar, sondern einen Anlass, das eigene Denken und Fühlen wachsen zu lassen: »Seit Milliarden von Jahren dehnte sich das Universum aus, warum sollte ich also darauf bestehen, dass alles so blieb, wie es war, und dass alle Jungs gleich zu sein hatten?« Zwischen Johan und William entwickelt sich schnell eine innige Liebesbeziehung, in der es durchaus normal ist, tagelang nichts voneinander zu hören. Das erscheint einerseits als Zeichen für großes Vertrauen und eine Zuneigung, die sich ihrer sicher sein kann. Andererseits wird bald aber auch deutlich, dass die beiden Männer ganz unterschiedliche Themen und Ziele haben: Während Johan in der Körperlichkeit seines Geliebten revolutionäres Potenzial entdeckt, will William einfach nur endlich oberkörperfrei am Strand liegen können. Anders als sein Freund sehnt er sich weder danach, die Geschlechterordnung zu zerstören, noch, den Kämpfen der Schwulenbewegung um Anerkennung innerhalb des Systems Anarchie entgegenzusetzen. Ihm geht es in erster Linie darum, als Mann in der Welt existieren zu können. Mads Ananda Lodahl illustriert sehr gut die Konflikte, die sich ergeben, wenn eine (mögliche) Zugehörigkeit zur Norm für beide Seiten unterschiedliche Konsequenzen und Bedeutungen hat. Und auch, wie schwierig es sein kann, über den Tellerrand der eigenen Kämpfe zu blicken. Eine sweete, humorvoll und klug erzählte Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte, die zu lesen sich sehr lohnt. Anna Kow


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