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Gavagai

Gavagai

D/F 2025, R: Ulrich Köhler, D: Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, 91 min

Ulrich Köhlers neuer Film »Gavagai« erweist sich als ein subtiles, vielschichtiges Gedankenexperiment, das das Publikum immer wieder dazu herausfordert, die eigenen Denkmuster zu hinterfragen. Gleich die Eröffnungsszene führt mitten hinein in die Dreharbeiten im Senegal, wo ein neuer Medea-Film gedreht wird. Regisseurin Caroline will mit einer Neuinterpretation des Euripides-Dramas auf rassistische Strukturen aufmerksam machen. Doch ausgerechnet bei der Pressekonferenz kurz vor der Premiere wird sie mit dem Vorwurf konfrontiert, als weiße europäische Filmemacherin genau jene Klischees reproduziert zu haben. Hauptdarstellerin Maja und ihr Co-Star Nourou beginnen während des Drehs eine Affäre als sie sich aber in Berlin auf einem großen Filmfestival wiederbegegnen, hat sich ihre Beziehung zueinander durch die neue Umgebung völlig verschoben. Köhler eröffnet so mehrere Ebenen, vom Film-im-Film bis hin zum Titel: »Gavagai« verweist auf ein philosophisches Fantasiewort, anhand dessen – vereinfacht gesagt – gezeigt wird, dass sich die Bedeutung eines Wortes zwischen zwei Sprachen oft nicht problemlos übertragen lässt. Entsprechend kommunizieren die Protagonisten in vielen Situationen aneinander vorbei, und auch der Medea-Mythos verliert durch die Neuverfilmung plötzlich sein zentrales Motiv. Das lässt viel Raum für Interpretationen, die über die reine Kinoerfahrung hinausgehen. Hanne Biermann


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