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Jan Peter Bremer

Jan Peter Bremer

Nachhausekommen, Berlin: Berlin Verlag 2023. 208 S., 22 €

Jan Peter Bremer.

Als der sechsjährige Jan aus Westberlin ins feuchte Wendland der siebziger Jahre umgetopft wird, ist das ein Schock für ihn. Sein Vater ist ein erfolgreicher Künstler, der sich mit Frau und Sohn nach dörflicher Einsamkeit sehnt – die aber glücklicherweise regelmäßig durch befreundete linksliberale Künstler mit langen Bärten und großem Durst gestört wird. Der kleine Lockenkönig geistert derweil durchs Dorf, bewohnt von Atomkraftfreunden, Bundeswehrfans und rechtsradikalem CDU-Rattengezücht nebst ihren bösartigen Kindern. Der kleine Sprutz spürt sehr früh, was es bedeutet, ein Außenseiter zu sein. In Schule und Dorf gemobbt und wegen seiner langen Haare als schwules Mädchen gedengelt, bleibt ihm die Welt seiner Fantasie. Dabei hat er nach seinem Empfinden coole Künstlereltern, die ihn selbst bei schlechten Noten nicht verprügeln, wie das die anderen Eltern im Dorf mit ihren Kindern regelmäßig tun. Seine Eltern lieben ihn und zeigen es aller Welt – das macht es für ihn aber noch schlimmer. Dass sie ein fettes amerikanisches Auto ihr Eigen nennen und sein Vater offensichtlich viel Geld mit seiner komischen Künstlerei verdient, bringt Jan in den Augen der Dörfler dann aber doch viel Respekt ein. Haste was, biste doch was. Weil er Geschichten liebt, fängt er an zu schreiben und findet den Weg aus der Einsamkeit seiner Kindheit. In »Nachhausekommen« breitet der reife Jan Peter Bremer diese Künstlerkindheit vor uns aus. Musikalisch begleitet durch die Musik der Beatles, schweben wir in Bremers Zaubersprache übers platte Land, ab und zu tut sich ein dunkler See auf und die meisterhaft erzählte Geschichte gewinnt an Tragik, um im nächsten Satz mit einem Witz daraus zu entkommen. Frank Willmann


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