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Klaus-Jürgen-Bremm: Die Waffen-SS

Klaus-Jürgen-Bremm: Die Waffen-SS

Klaus-Jürgen-Bremm: Die Waffen-SS. 363 S.

Ihren wenn nicht größten, so doch nachhaltigsten Sieg feierte die Waffen-SS – nach 1945. Und es war kein militärischer. Obwohl die Parteisoldaten unter dem Oberbefehl Heinrich Himmlers an der Front meist nur durchschnittliche Leistungen erbrachten, blieben sie als schneidige Elitetruppe in Erinnerung. Wie wenig die tatsächliche Kampfstärke der SS dem Mythos ihrer Unbesiegbarkeit entsprach, zeigt der Militärhistoriker Klaus-Jürgen Bremm in seinem Buch »Die Waffen-SS – Hitlers überschätzte Prätorianer«. Nicht dass die SS nicht auch erfolgreich gekämpft hätte. Nachdem sie im Westfeldzug eher keine gute Figur gemacht hatte, verdiente sich die SS-»Leibstandarte« 1941 durch ihren Einsatz in Griechenland beim Wehrmachtsoffizierskorps, das bis dahin über die »Asphaltsoldaten« die Nase gerümpft hatte, erstmals Respekt. In den Abwehrschlachten ab 1943 im Osten machte sich die SS einen Namen als »Feuerwehr«, die immer dort zum Einsatz kam, wo die Front durchzubrechen drohte. Das vermag aber nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die SS bis zum Schluss Himmlers Anspruch einer NS-Elitetruppe nie gerecht geworden ist. Dafür mangelte es den SS-Männern schlicht zur sehr an Ausbildung und Disziplin. Schon zahlenmäßig konnte sie es nicht auch nur annähernd mit der Wehrmacht aufnehmen. Letzterem hat Himmler mit allen Mitteln Abhilfe zu schaffen versucht, sogar auf Kosten der rassischen Qualität. Der »Reichsführer« war so davon besessen, mit der SS eine zweite Wehrmacht zu schaffen, dass er bedenkenlos auch Letten, muslimische Bosnier und alle möglichen eher ungermanischen Völkerschaften rekrutieren ließ. Die reale SS zeichnete sich vor allem durch zweierlei aus: Erstens die Neigung zu brutaler Gewalt gegen die Zivilbevölkerung besetzter Gebiete und Kriegsgefangene; sie scheute nicht davor zurück, auch gefangene Briten und Amerikaner zu erschießen. Zweitens die Fähigkeit, Niederlagen in Triumphe umzumünzen. Mit tatkräftiger Unterstützung der NS-Propaganda standen Hitlers Prätorianer stets glänzend da. Nach dem Krieg haben es die SS-Veteranen exzellent verstanden, diesen Mythos am Leben zu erhalten. Selbst die Darstellungen der SS in Kriegsfilmen wie »Die Brücke von Arnheim« (1977) lässt sich auf den unmittelbaren Einfluss dieser Herrschaften, die von Hollywood gerne als Berater herangezogen wurden, zurückführen. Bremm ist kein mitreißender Erzähler, und wer sich als Leser nicht zuvor mit der Lage an der Ostfront vertraut gemacht hat, mag sich stellenweise ein wenig überfordert fühlen. Aber eben die nüchterne Sorgfalt des Historikers kommt dem Buch auch zugute: Sie macht seine Befunde über jeden Zweifel erhaben. Bremm beschönigt nichts: Die Waffen-SS war alles andere als eine lächerliche Gurkentruppe; ihre Angehörigen haben massenhaft Kriegsgefangene und Zivilisten, auch Frauen und Kindern, auf die abscheulichste Weise ermordet. Aber die Bilanz ihrer militärischen Erfolge nimmt sich vergleichsweise bescheiden aus. Bremms Verdienst ist es, den Mythos Waffen-SS endgültig entzaubert zu haben. Olaf Schmidt


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