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Lew Tolstoi

Lew Tolstoi

Buch des Monats - Ein Roman wie ein Ozean - Ganz im Ernst: Lew Tolstois »Krieg und Frieden« ist viel zu kurz

Lew Tolstoi. 288 S.

Von jeher fragen sich Literaturkenner, ob es überhaupt angemessen sei, Lew Tolstois »Krieg und Frieden« (1868/69) einen Roman zu nennen. Ist dieses gigantische, alle Maßstäbe sprengende Erzählwerk nicht mehr? Ein Epos oder gar eine »Epopöe«, allenfalls vergleichbar mit den Werken Homers? In der Tat: »Krieg und Frieden« ist in jeder Hinsicht eine Klasse für sich. Wie durch ein Brennglas blicken wir auf die ebenso turbulente wie glanzvolle Geschichte Russlands in der Zeit zwischen 1805 und 1820. Jeder Charakter in »Krieg und Frieden« - insgesamt sind es über 200, historische und erfundene - bleibt unvergesslich: Der tapfere Andrej Bolkonski und seine Natascha Rostowa, der Widerling Dolochow, der ewig suchende und schwankende Pierre Besuchow ... Dann die Szenen: prunkvolle Bälle, wüste Besäufnisse, spannende Jagden, Schlachten, Austerlitz! Borodino! - »Krieg und Frieden« ist ein Ozean: unendlich weit und tief. Manchmal stürmt es, manchmal - selten - herrscht auch Flaute, etwa wenn Tolstoi seine militärtheoretischen Abhandlungen einschaltet. Aber auch das gehört dazu. Issak Babel hat nach seiner Lektüre von »Krieg und Frieden« gesagt: »Wenn die Welt selbst schreiben könnte, schriebe sie wie Tolstoi.« Nun hat die Slawistin Barbara Conrad den Klassiker neu übersetzt. Dabei hat sie, im Gegensatz zu den meisten ihrer Vorgänger, Tolstois sprachliche Schroffheiten nicht geglättet und lädt so die deutschen Leser ein, »Krieg und Frieden« neu zu entdecken und kennenzulernen. Und dass sich niemand vom Umfang abschrecken lässt! Die mehr als zweitausend Seiten vergehen wie im Fluge. Wer sie gelesen hat, wird sich wünschen, es wäre kein bloßes Gerücht gewesen, als 1873 eine Zeitung meldete, dass Graf Tolstoi an einer Fortsetzung schreibe. Die kreuzer-Jury


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