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Mexikodro

Mexikodro

Still goin The EP

Still goin The EP

Das Musikbusiness ist dreckig. Das musste Mexikodro, seines Zeichens Beatproduzent aus Atlanta, am eigenen Leib erfahren. Vor zehn Jahren zeichnete er mit seinem Kollektiv Beatpluggz verantwortlich für den »Plug«-Sound, der die Soundcloud-Ära prägte: reduzierte Beats mit ätherischen Synthesizern, dichten Basslines und eingängigen multi-instrumentalen Melodien. Mexikodro war der gefragte Mann und belieferte die Künstler der Stunde mit den heiß begehrten Beats mit dem ikonischen »Plug!«-Sample. Unter diesen war auch ein gewisser Playboi Carti, der durch den Kickstart auf Plug-Beats zu einem der erfolgreichsten Rapper der Gegenwart wurde. An der angemessenen Bezahlung ließ er es dann allerdings mangeln; Mexikodro wurde um Geld und angemessene Anerkennung geprellt. Nach Querelen mit Labels, Suchtproblemen und Haftstrafen war Mexikodros Stern am Sinken. Es wurde Zeit für einen Neustart und der Produzent wechselte vom Mischpult in die Booth. »Still goin« impliziert das Durchhaltevermögen eines geborenen Hustlers; auf der 14 Song starken EP geht es vor allem ums Wiederaufstehen, die Akzeptanz beschissener Zeiten und die stolze Zurschaustellung eines scheinbar langweiligen Lebens. Auf »Remy« rappt er in breitestem Südstaatenslang »Catch me with my Dogs by myself drinkin’ Wine / I be tired in my Bed, ’round nine«. In einer Hip-Hop-Kultur, die von der Glorifizierung verschreibungspflichtiger Medikamente und selbstzerstörerischen Verhaltens geprägt ist, durchaus erfrischend. Auf »Maid« wird die Indifferenz gegenüber anderer Leute Erwartungen – analog zum Cover – deutlich: »All these Folks staring, I got Crocs on my Feet«. Es ist sein Gespür für Beats, welches das Projekt herausragend macht. Musikalisch geht es immer weiter in Atlanta. Und man freut sich für einen, der Frieden mit sich gefunden hat. Jan Müller


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