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Necati Öziri

Necati Öziri

Vatermal. Berlin: Claassen 2023. 304 S., 25 €

Necati Öziri.

Arda liegt mit einer Autoimmunhepatitis im Krankenhaus. Sein Körper hat beschlossen, die eigene Leber anzugreifen. Ob oder wie viel Zeit ihm noch bleibt, ist unklar. Als Erzähler wendet er sich deswegen an seinen Vater Metin, einen ehemals militanten Sozialisten, der die Familie kurz vor Ardas Geburt verlassen hat. Er lässt sein Leben für den Vater Revue passieren: von einer Kindheit inmitten der Pulverfass-Beziehung zwischen Mutter Ümran und Schwester Aylin bis zum Erwachsenwerden auf der Bank vor dem Bahnhof, umgeben von Freunden und dem Geruch von Marihuana. Unterbrochen werden Ardas Erinnerungen immer wieder von Mutter und Schwester, die ihn regelmäßig – aber nie gleichzeitig – im Krankenhaus besuchen und auf diese Weise ihre Geschichten mit einweben. Dabei erzählt der Roman nicht nur von einer zerrütteten Familie. Es geht um Naturkatastrophen, um den Tod. Darum, wie die eigene Abiturientenstimme bei einer Polizeikontrolle die Rettung ist, bei einem Stück von Goethe aber versagt. Wie man einen Döner richtig isst und hausgemachte Mayonnaise zubereitet. Und darum, was noch schlimmer ist, als in diesem Land zu leben und nicht den richtigen Pass zu haben, nämlich: gar keinen zu haben. Nicht mal einen Monat nach seinem Erscheinen stand »Vatermal« schon auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, schaffte es später weiter auf die Shortlist. Es ist der erste Roman des Dramaturgen Necati Öziri, der unter anderem zwei Jahre lang die Studiobühne des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin leitete. Und Theater merkt man seinem Buch auch an, das zu einer großen Bühne für Russen und Gabbas, Teyzes und Amcas, Kartoffeln und Bio-Deutsche wird. Sarah El Sheimy


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