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Paul Bernewitz

Paul Bernewitz

Between the Years

Between the Years

Der Winter hat in den hiesigen Breitengraden meteorologisch Einzug gehalten – Paul Bernewitz legt mit seinem neuen Soloalbum »Between the Years« akustisch sogar eine Woche vor. Insgesamt zwölf Stücke versammelt der Leipziger Pianist darauf, die sich allesamt in zerbrechlichen Klangfarben präsentieren. Die künstlerische Reife des 1997 geborenen Leipzigers spiegelt sich nicht zuletzt in der Reduktion musikalischer Themen: Statt auf eine Fülle an Ideen zu setzen, vertraut Bernewitz der poetischen Kraft seines Spiels. Der Einstieg ist mit der Interpretation von »Over the Rainbow« durchaus gewagt, gehört das Stück doch mutmaßlich zu den am häufigsten gespielten Songs der Welt. Doch statt an der melodischen Oberfläche des Stückes zu kratzen, gelingt es Bernewitz, sich in dessen kompositorische Tiefen zu begeben und ihm mit zarten Anschlägen Leben und Charakteristik einzuhauchen – ganz so, als wären die bekannten Akkordfolgen Bernewitz selbst entsprungen. Gleiches gilt für seine rührende Interpretation von »On the Street where You live« aus dem Musical »My Fair Lady«, mit dem der Pianist das Album beschließt. Stücke wie diese fügen sich nahtlos zu Eigenkompositionen wie »The Angels of Weed Seeds« oder »Justification «. In seiner Gesamtheit wohnt »Between the Years« dabei ein durchaus radikales Moment inne: Stellt es doch mitsamt seinem konsequenten Minimalismus inmitten einer bis zum Anschlag lauten Welt eine akustische Antithese dar. Ob sie gehört werden wird, bleibt abzuwarten. Verdient hätte sie es allemal. Luca Glenzer


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