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Petra Piuk

Petra Piuk

Hotel Love. Graz: Leykam 2025. 256 S., 25 €

Petra Piuk.

Petra Piuks dritter Roman kommt als KI-Erzählung daher, ein ausgefuchster Text mit vielfältigen Kniffen und Tricks, getarnt als Männerbuch, ganz im Sinne des Männerministeriums, das unter anderem Frauen- und Queerrechte untergräbt. Der inszenierte Clou des Ministeriums: die Ehe mit der perfekten Ehefrau. Die lässt sich mittels des Wifey Material erschaffen, willenlos stets für das Glück ihres Mannes verfügbar. Roman, ein romanhafter Held, begibt sich mit anderen Männern in diesen Prozess der Ehefrauherstellung, um sie zu ehelichen. Anders als die anderen reproduziert Roman seine Exfreundin Julia. In Zwischenkapiteln wird die Liebesgeschichte der beiden aufgedröselt. In der Jetztzeit sind wir an Romans Seite bis zur Vermählung mit Julia 2.0. Der Love-Hotelkomplex hält vieles bereit: Workshops, Vorträge, ein Jagdrevier, ein Roboterbordell, eine Ausstellung hin zum Gebärvater. Immer wieder blinken Sonderangebote auf: ein zweiter Kopf, eine Ersatzzunge mit Zuckerwattegeschmack, Söhne und Zweitfrauen zum Aktionspreis. Dass sich das Glück einlöst, denn »für den Helden eines Happy-KI-Romans wird am Ende immer alles gut«, ist Petra-Piuk-Ehrensache. Der Text gibt sich selbstreflexiv, spielt mit dem Genre, schaltet Werbung dazwischen, erfordert Zustimmung und zustimmendes Lächeln. Systemfehler, die die Handlung sabotieren, werden wieder in Ordnung und Reihe gebracht. »Hotel Love« ist aufgrund seiner genialen Machart und mit seinem hinter- und vordergründigen Witz mindestens (m)ein Jahresbuch. In diesem Sinne: »Love Kanzler«! Suse Schröder


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