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The Feast

The Feast

Entwickler: Sever Games, Publisher: Prismatika, Plattform: PC, Preis: gratis

Lügen können sprach- und orientierungslos machen. Sie können jeden Sinn einer geteilten Wirklichkeit zerstören. Wer das nicht am eigenen AfD-Onkel auf der nächsten Familienfeier nachvollziehen kann oder will, erlebt es hier: »The Feast« ist ein kurzes Kunstspiel des russischen Studios Sever. Wir spielen eine Tochter, die zum Festessen nach Hause kommt und eine virtuelle Theaterbühne betritt. Hier herrschen Schrecken und Verwahrlosung, ins Absurde überzeichnet. Der Bezug zur Lage in Russland, zu einer tabuisierten Krise bleibt implizit, aber er ist schwer zu übersehen. Das Grauen hängt in Form einer Leiche über der festlich gedeckten Tafel. Wie sag ich’s Mutti? In Minuten ist das interaktive Theaterstück durchgeklickt. Während die Welt um sie herum zerfällt, übertreffen die Anwesenden sich in einem Leugnungswettbewerb und heucheln Zuversicht. Es beginnt und bleibt so grotesk, dass es kaum als Satire durchgeht. »The Feast« zeigt einen schwer zu ertragenden, ins Surreale gesteigerten Zustand, um eine Reaktion zu provozieren. So deutlich die Symbolik ausfällt, so offen bleibt der Ablauf des Stücks. »The Feast« erzählt in wenigen Sätzen und fragt dabei laufend die Reaktionen der Protagonistin ab. Wie wir uns verhalten, ob wir Mutti zuliebe mitlügen, alles über den Haufen schmeißen oder uns irgendwie durchwurschteln, ist unsere Entscheidung. Es bleibt eine Zumutung; aber eine sehr interessante. Jan Bojaryn


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