anzeige
anzeige
Various Artists

Various Artists

Experimentelle Welt 1

Experimentelle Welt 1

»Das Himmelszelt war heruntergetropft, ja, zwischen unsere Hände«, rezitiert Wally Hagelmond zauberhaft. Hinter dem Alias steckt die Billo-Labelbetreiberin Lisa »Liv« von Billerbeck höchstselbst. Und ihr Song »Die abgelegene Straße« reiht sich nur schwer ins Spoken-Word-Genre ein, denn ihre Musik bleibt weitaus interessanter als alle flink aufkeimenden Assoziationen mit jener Rubrik. Hinter Billerbecks Worten baut sich eine einnehmende, zunehmend verspulte Geräuschkulisse auf, die das Rezitierte mit einer zusätzlichen Aura umschwirrt. Ihre Musik ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem jüngst auf ihrem Label veröffentlichten Sampler »Experimentelle Welt 1«. Also flink weiter: Ganz nah an ihrer Klangästhetik sind die Pulse der Wiener Künstlerin Conny Frischauf. Allmählich vervielfacht sich ihre Stimme, stolpert alsbald wohllautend über den Grundschlag mit dem Stück »Warte«. Ganz anders klingt Samuel Kleists schmissiger »Plan 9«. Wie zu Filmmusik aus vergangenen Zeiten lässt sich mit seiner Musik herrlich flanieren – das ist besonders bemerkenswert, da der Weimarer Künstler sonst eher mit Lärm arbeitet. Flau reiben sich dann Atem an Atem, der tiefe Rhythmus hievt die Töne auf und lässt sie wieder fallen. Sind die Hörerinnen und Hörer einmal gebannt, baut Tin Tin Patrone (alias Christina Köhler) rasch dichter und dichter ihre klangvollen Experimentierräume auf. Die »Experimentelle Welt 1« schlägt aufregend, fesselnd und frisch. Der Sampler reiht sich ein in das OEuvre des Berliner Labels Billo, das unter anderem »Bildende Künstler*innen Versuchen Musik Zu Machen« wie auch »Die letzten Ecken« hervorbrachte. Seit nunmehr sieben Jahren stehen die Tonträger für brausende, laute und durch ihre Aufmachung stets hübsch anzusehende Klangwagnisse. Claudia Helmert


Weitere Empfehlungen