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Dokblog 2016

Animiert, manchmal bewegend

Streiflichter aus der Rubrik Neue Deutsche Animation

  Animiert, manchmal bewegend | Streiflichter aus der Rubrik Neue Deutsche Animation

Auf Neue Deutsche Welle folgte Neue Deutsche Härte, nun also Neue Deutsche Animation. Den Trickfilm hat sich DOK Leipzig ja ab diesem Jahr besonders groß auf die Fahnen geschrieben (Link Interview), ein bisschen nach Förderung und Schulterklopfen an die heimischen Animationsfilmer wirkt das Einrichten der Sonderrubrik. Dabei können sich die meisten Filme durchaus sehen lassen, als oft originäre und eigenständige Auseinandersetzungen mit dem Genre. Auffällig dabei ist, dass die meisten sich eher im künstlerischen Bereich bewegen, der Einsatz als Doku-Illustration ist randständig. Besonders gelungen in dieser Hinsicht ist »Ein Aus Weg« (R: Simon Steinhorst & Hannah Stragholz), weil hier im Mix aus künstlerischer Experimentierlust und Dokumentation ein sehenswerter Animationsfilm entstanden ist. Darum soll er im Blog eine eigene Besprechung bekommen. Persönliches Highlight ist das verspielte Essay über Nietzsches Missverständnis der »Ewigen Wiederkunft« (R: Jörg Weidner & Anke Späth), das auch eigene Betrachtung im Blog bekommen wird.

Das ist also eine ganz Menge dabei, ein paar Perlen seien hier kurz vorgestellt und vor einem Film gewarnt: »Something About Silence« (R: Patrick Buhr) soll ein Ratgeber ans Leben sein. Ein Ex-Modell und seine Taube plappern Pseudoweisheiten in den Orkus, was auch die manchmal schönen Bilder nicht wettmachen. Zumal sich der Erzähler nicht entscheiden kann, ob er jetzt seine Frau für ihre Abneigung gegen das Filmemachen mehr dissen soll als Lebenstipps zu geben.

Schnell vergessen und zu den schönen Dingen: Eine Minigeschichte kommt als lustiges Gedicht mit »The Man Who Fell Up« (R: Ebele Okoye) daher. Ein Mann fällt die Treppe herunter und taumelt himmelwärts. Optisch ist der kleine Clip an der Grafik alter Comics, Popart à la Roy Lichtenstein und/oder Architekturdarstellungen. Jedenfalls findet sich Rasterfolie – Wolken schweben in Punkten, den Hintergrund ziehen schrägen Linien – zu hübschen Kontrasten ein- und zusammengesetzt. »Mishka« (R: Eszter Jánka) heißt Freundschaft? Aber wie sich Freundschaft und Begehren zwischen einem Bären und einem Fuchs in verhängnisvolles Spiel verfangen, schildert der Film in atemberaubend schöner, feingliedriger Grafik, die das eine oder andere Sternbild zitiert. Freude, Taumel, Einsamkeit: »Between Bar« (R: Pauline Flory) lässt eine Frau den Rausch einer Kneipennacht im verschwimmenden Aquarell erleben. In Tusche und Wasser fließt »Die Frau und die Landschaft« (R: Adrienne Zeidler) durch eine scherenschnittartige Landschaft dahin.

»Abend« (R: Izabela Plucińska), Teil eines Zyklus, erschließ sich inhaltlich nicht. Irgendwie streiten Nachbarn. Hochinteressant ist er aber ästhetisch. Der Hintergrund wird auf einer knallroten Knetebene gebildet. Darüber finden sich die Strichfiguren in Schwarz gezeichnet. Krakeliges über fließender Fläche und der starke Farbkontrast erzeugt eine interessante Optik. Dahingehend ist auch »Youme Knows What Meyou Wants« eine Entdeckung. Nur eine Minute kurz, form sich aus einer Tonfläche langsam ein Liebespaar. Es winden sich die Leiber, hier und da wird ein Detail sichtbar, dann verschwinden die Liebenden wieder in der Ursuppe des Lebens; oder so.


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