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Kultur

Western im Osten

  Western im Osten |   Foto: Tanja Kirmse

Katharina Rietz und Henriette Lippold, gebürtig in Lutherstadt Wittenberg und Leipzig, haben es geschafft. Am Hainer See, südlich von Leipzig, realisieren sie derzeit den Film »Neues Land«, das erste Projekt ihrer neu gegründeten Produktionsfirma UFA Mitte – die GmbH ist aus der Leipziger Niederlassung der UFA hervorgegangen. Die beiden haben lange an dem Stoff gearbeitet und beschreiben ihn als Herzensprojekt. »Neues Land« ist ein Film, der anhand einer Familiengeschichte von den Herausforderungen strukturellen Wandels in einem ehemaligen Braunkohlerevier erzählt. Damit möchten die Produzentinnen einen regionalen Bezug herstellen und gleichzeitig universelle Themen ansprechen.

Es ist Pressetag, wir stehen im alten Ortsteil von Neukieritzsch am Hainer See hinter Bistro-Tischen mit weißen Hussen und sprechen mit Regisseurin Esther Rauch, den Produzentinnen Lippold und Rietz sowie den Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern. »›Neues Land‹ handelt einerseits von einem Familiengeheimnis und andererseits von Menschen, über deren Köpfe hinweg Dinge entschieden wurden, die für ihr Leben gelten und aus denen sie sich nur bedingt befreien können«, beschreibt die Regisseurin das Thema des Films. »Ich finde es immer interessant, alles im Kleinen zu erzählen. Politische Themen werden nahbar, wenn sie anhand von Figuren verhandelt werden. Durch die Perspektive von Ina gelingt uns eine Einsicht.« Jördis Triebel spielt diese Ina Sedlitz, gerade erst hat sie die Podologin Kathi Grabowski in der beliebten Serie »Marzahn Mon Amour« gespielt, ebenfalls produziert von Henriette Lippold. Nun ist Triebel eine Geologin, die nach zwanzig Jahren Berlin in ihren Heimatort Neukirch zurückkehrt. Ein Ort, der sich vom ehemaligen Braunkohlerevier in ein beliebtes Tourismusziel verwandelt hat. Ina möchte ihren Anteil am Familienhotel an ihre Nichte überschreiben, um mit ihrer Vergangenheit abzuschließen. Während ihres Aufenthalts bröckelt nicht nur die Oberfläche ihrer Familiengeschichte, auch der künstlich angelegte See weist Unstimmigkeiten auf. »Den Zugang zu meiner Rolle habe ich über die Familiengeschichte gefunden. Ich finde die Dynamik innerhalb dieser Familie sehr spannend, in der eine Person viele Jahre von zu Hause weg war und dann zurückkehrt. Es gibt so viele Dinge, die unausgesprochen sind, und das macht was mit den Figuren. Es wird versucht, eine Normalität zu wahren, aber das gelingt Ina nicht«, schildert Triebel die Herangehensweise an ihre Rolle.

Jörg Schüttauf spielt Inas Vater, den Bürgermeister des Ortes. »Mit Bürgermeistern kenne ich mich aus, weil ich in letzter Zeit nur Bürgermeister-Angebote kriege. Ich spiele wirklich viele Bürgermeister und mache das offensichtlich so gut, dass selbst schon Bürgermeister bei mir anfragen, wenn sie ein Problem haben«, beschreibt er die Symbiose mit seiner Rolle. Was das Verhältnis der Rollen von Ronald Zehrfeld und Jördis Triebel angeht, machen die beiden einige Anspielungen, dürfen jedoch noch nichts verraten. Katharina Rietz und Henriette Lippold zeigen uns das Seeufer, auf der leeren Terrasse des Hafenrestaurants La-Ri trinken wir Kaffee – wo gerade noch gedreht wurde. Szenenbildner Matthias Mücke und sein Team haben das Restaurant in eins der Hauptmotive des Films verwandelt: das »Seehotel«. Lippold erklärt: »Der Ort spielt für unseren Film eine große Rolle. Was hier ja sehr besonders ist: dass es diesen neu gebauten Ortsteil am See gibt und dazu den alten Ortskern. Und das ist natürlich stellvertretend für viele Orte dieser Art an gefluteten Tagebauseen.« Der Filmtitel »Neukirch« entspricht dem häufigsten Ortsnamen Deutschlands. Damit soll ein möglichst breiter Zugang zur Geschichte generiert werden. »Es ist zwar ein Film aus dem Osten, aber Menschen aus dem Ruhrgebiet teilen eine ähnliche Lebensrealität«, erklärt Lippold den Ansatz.

Am Set ist die Stimmung gut, auch wenn alle ein bisschen müde sind. Schließlich stehen nun die letzten Drehtage an und die meiste Arbeit wurde schon geleistet. »Neues Land« wird vom ZDF koproduziert und soll dort im kommenden Jahr auch ausgestrahlt werden. Regisseurin Rauch findet, dass es trotzdem Kino-Elemente gibt: »Weil wir uns sehr bemühen, die Größe und Weite dieser Landschaft hier zu erzählen, und das sind ganz viele Kinobilder. Im Prinzip eine Art Western im Osten.« Die Bilder dafür liefert Kameramann Mario Minichmayr.


> Neues Land, 18.9.26, 19 Uhr, im Rahmen des Hainer See Musikfestes, www.hainersee-musikfest.de

> verfügbar in der ZDF Mediathek ab 17. Oktober 2026


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