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Kultur

Die Champions League der Chorlandschaft

Vom ersten bis dritten Oktober wird gesungen in der Stadt. Das internationale Chorfestival »chor.com« bringt zusammen, was sonst getrennt bleibt.

  Die Champions League der Chorlandschaft | Vom ersten bis dritten Oktober wird gesungen in der Stadt. Das internationale Chorfestival »chor.com« bringt zusammen, was sonst getrennt bleibt.  Foto: Chor = LYPE, Vico Forderer

Die »chor.com« ist alle zwei Jahre der wichtigste europäische Treffpunkt der Vokalmusikszene und kommt am kommenden Wochenende erstmals nach Leipzig. Auf dem Programm stehen mehr als 150 Workshops, drei Masterclasses, 20 Konzerte und ein Forum mit Ausstellermesse und Talks. Außerdem soll die klassische Chormusik in diesem Jahr einen modernen Anstrich bekommen.

Laut Stephan Doormann, dem künstlerischen Leiter der »chor.com«, liege der Fokus des Festivals darauf, seine eigene »Bubble« zu verlassen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Genres kennenzulernen, zu denen man sonst keine Berührungspunkte hat. »Building Bridges« heißt die Form der kulturellen Öffnung auf der »chor.com«, was sich durch die Workshops und im Konzertprogramm offenbart: So trifft indische Tempelmusik auf den Barock von Heinrich Schütz oder klassisches Vokalensemble auf Vocal-Pop. Doormann zufolge seien Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt die Leitlinien der Veranstalter der oft als konservativ wahrgenommenen Chorszene. Zudem hat sich der pensionierte Bundespräsident und inzwischen Vorsitzender des Deutschen Chorverbands Christian Wulff auf der Pressekonferenz im Juni selbst als woke bezeichnet. Das tat er erstmals im Februar dieses Jahres beim Empfang der Queerbeauftragten der Bundesregierung, woraufhin eine Flut wütender Mails das Postfach des Christdemokraten erreicht habe. »Ich verstehe nicht, warum nicht alle Menschen sagen, sie sind woke«, gab er damals zu bekennen. Den Sinn für Zusammenhalt und Fürsorge in der Gesellschaft, den er in seinem Amt als Chorverbandspräsident gelernt habe, wünsche sich Wulff auch für das kommende Wochenende.

Konzerte und Veranstaltungen

Das Chorfestival lockt ihre Besuchenden an drei Abenden mit 20 Konzerten in die Thomas- und Peterskirche sowie in den Kupfersaal und die Philippuskirche in Lindenau. Den Einstand am Freitag gibt standesgemäß der Thomanerchor mit seinem A-cappella-Konzert »Verleih uns Frieden« in der Thomaskirche. Weitere Highlights sind der Kammerchor Stuttgart mit »Stimmdimensionen«, das MDR-Sinfonieorchester und Gustaf Sjökvists Kammarkör mit »The Sanctuary Mass«, ein sinfonisches Großprojekt schwedischer Chormusik und Sjaella mit »Half my Voice is Human«, das preisgekrönte Leipziger Frauenensemble mit zeitgenössischen A-cappella-Vokalen. Im Kupfersaal liegt der Schwerpunkt auf Pop, Jazz und Unterhaltung mit den Lyyra, German Gents und Pop-Up sowie Quintense & Ensemble Nobiles mit dem Konzert »Klassik trifft Pop« sowie dem Leipziger Ensemble Lype mit »Der Hype um Leipzig«. Auch Nachwuchschöre, wie Vox Quadrata & Kammerphilharmonie Mannheim oder der Rundfunk-Jugendchor Wernigerode reihen sich in das hochkarätige Line-Up ein.

Geht es nach den Veranstaltern, so kann es gar nicht genug Musik in den drei Tagen geben, auch wenn das Programm im Vergleich zu den 35 Konzerten bei der letzten chor.com in Hannover schrumpfen musste. Grund dafür sei die geringe Nachfrage in der niedersächsischen Hauptstadt gewesen. Da Leipzig glücklicherweise Musikstadt ist und vor vier Jahren das Deutsche Chorfest austragen durfte, gebe es laut Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke diesmal wenig Grund zur Sorge um freibleibende Plätze. Die Stadt könne das kulturelle Erbe weiterführen, das einst von Bartholdy, Bach und Wagner begründet wurde, sagt sie. Zumal im Vergleich zum Chorfest, das einen Überblick über die Vielfalt in der Chorlandschaft bietet, nochmal eine Schippe draufgelegt wird. Laut Christian Wulff handele es sich bei dem Festival um die »Champions League« unter den Vokalfestivals.

Die Workshops richten sich an Interessierte, die tiefer in vokalmusikalischen Genres und Ensembleformen eintauchen möchten. Austragungsorte sind die Volkshochschule und die Kongresshalle am Zoo. In zweiterem stellen bei der frei zugänglichen Ausstellermesse in der Labels, Hochschulen und Musikveranstalter neue Projekte und Programme vor.

Aber was hat es eigentlich mit dem Namen auf sich?

Auf Presseanfrage antworteten die Veranstalter: Als die Musiktage 2011 ins Leben gerufen wurden, waren sie Teil des damals begonnenen Modernisierungskurses des Deutschen Chorverbands. Der Name sei ein »Wortspiel mit der gängig gewordenen, internationalen Dotcom-Domain« und soll als erste Adresse im Chorbereich sowie als Referenz für etablierte Kongress- und Messeformate wie Popkomm oder gamescom verstanden werden.


> www.chor.com

> Konzertickets: 20 - 35 € (ermäßigt 12 - 19 €) unter chorcom.reservix.de, telefonisch unter 0761888499 99 sowie an weiteren Vorverkaufsstellen.


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