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Kultur

Räume für Engagement und Begegnung

Das Projekt »KolLEktiv« stellt Leipziger Migrantenorganisationen kostenlose Räumlichkeiten zur Verfügung

  Räume für Engagement und Begegnung | Das Projekt »KolLEktiv« stellt Leipziger Migrantenorganisationen kostenlose Räumlichkeiten zur Verfügung  Foto: Merve KolLEktiv, Andriyan BulgarischBulgarischer Kulturverein

Wenn Andriyan Andreev vom bulgarischen Kulturverein »Pencho Slaveykov« erzählt, sprudelt die Begeisterung förmlich aus ihm heraus. Der Verein, dessen Vorsitzender Andreev ist und der nach einem bekannten bulgarischen Dichter benannt wurde, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Vielfalt bulgarischer Kultur in Leipzig zu vermitteln und erlebbar zu machen. Das Angebot reiche von einer Krabbelgruppe, Sprachkursen und interaktivem Lernen für Jugendliche bis hin zu Theater-, Vokal- und Volkstanzgruppen. Besonders bei den bulgarischen Volkstänzen verbinden sich Musik, Bewegung und Gemeinschaft: »Bulgarische Lieder klingen sehr schön, und bulgarische Tänze sind nicht nur beeindruckend anzuschauen – wenn man selbst tanzt, bringen sie sogar gesundheitliche Vorteile.«

Der Kulturverein ist eine sogenannte Migranten(selbst)organisation (kurz MO). So nennen sich Vereine oder Initiativen, in denen sich Menschen migrantischer Herkunft organisieren und Projekte, politische Teilhabe oder Kulturpflege verwirklichen. Viele dieser Organisationen sind nur durch enormes zivilgesellschaftliches Engagement einzelner Personen möglich, wie Merve Neziroğlu erklärt: »Das sind Menschen, die sagen: Ich bin vielleicht erst seit kurzem hier, aber ich habe Lust, etwas zu machen für die Leute, die beispielsweise dieselbe Sprache sprechen wie ich oder aus demselben Land kommen.«

Neziroğlu leitet das Projekt »KolLEktiv - Treffpunkt für Engagement und Begegnung«, das Leipziger MOs Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, aber auch Beratungsangebote wie die Vermittlung von Expertinnen und Experten im Rahmen von Coachings anbietet. In Leipzig, so schätzt sie, gebe es über 60 MOs. Genauer sagen ließe sich das jedoch nicht, da nicht jede Migrantenorganisation in festen Vereinsstrukturen gegliedert ist. Der kreuzer trifft Neziroğlu und Andriyan Andreev in den Räumlichkeiten der Soziale Dienste und Jugendhilfe gGmbH, dem Träger des Projekts, zum Gespräch. Andreev arbeitet neben seiner ehrenamtlichen Vereinstätigkeit auch für ein anderes Projekt des Trägers. An einem improvisierten Konferenztisch, umgeben von zweckmäßig eingerichteten Regalen und einem Projektposter an der Wand, berichten sie von ihrer Arbeit.

Anfangs hatte Neziroğlu noch selbst Organisationen angeschrieben, inzwischen habe sich daraus ein regelrechter Schneeballeffekt entwickelt. Rund 30 Migrantenorganisationen haben das Angebot seit dessen Beginn Anfang 2025 bereits in Anspruch genommen. Die Bandbreite der verschiedenen MOs ist dabei groß: »Das sind ganz unterschiedliche Themen, von psychologischer und bürokratischer Hilfe bis hin zu Chorveranstaltungen.«

Gleichzeitig sei eine Unterstützung solcher Gruppen dringend notwendig: »Das sind Menschen, die teilweise von Diskriminierung betroffen sind. Sie haben tendenziell größere Schwierigkeiten, an Räume oder Beratung zu kommen. Es gibt möglicherweise sprachliche Barrieren, um zu verstehen, wie das System funktioniert und an wen man sich wenden muss, wenn es Fragen gibt.« Ziel des Projekts, das vom Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig gefördert wird, sei es, Menschen mit Migrationsgeschichte den Zugang zu Ressourcen zu erleichtern.

Besonders wertvoll für die einzelnen Gruppen sind die drei kostenlosen Räumlichkeiten, die ihnen das »KolLEktiv« zur Verfügung stellt. Ein Angebot, das für viele Initiativen eine große Erleichterung darstellt, wie uns Andriyan Andreev erzählt: »Für uns gibt es eine Zeitrechnung vor dem KolLEktiv und eine Zeitrechnung nach dem KolLEktiv. Vor dem KolLEktiv war es kaum möglich, an einen Raum zu kommen, der gleichzeitig groß genug und passend für unsere Aktivitäten ist und dabei auch finanziell erschwinglich ist.« Jede Woche habe man sich damit beschäftigen müssen, wo man das nächste Treffen abhalte. Auf Dauer ein kaum tragbarer Zustand.

Zusätzlich bietet das Projekt den einzelnen Initiativen die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen. Letztes Jahr fand im Rahmen der Interkulturellen Wochen Leipzig eine erste gemeinsame Veranstaltung von vier verschiedenen MOs statt – ein voller Erfolg. Am 3. Oktober diesen Jahres geht das Konzept unter dem Namen »Pontic Vibes« in die nächste Runde. Dort lädt der bulgarische Kulturverein »Pencho Slaveykov« gemeinsam mit einer türkischen und einer ukrainischen MO zu einem kulturellen Nachmittag mit mehrsprachigem Chorgesang sowie traditionellem Tanz und einem Siebdruck-Workshop ein.

Eine Veranstaltung, die nicht nur die beteiligten Vereine und Initiativen, sondern auch Projektleiterin Neziroğlu glücklich macht: »Da freue ich mich natürlich total darüber. Das ist ja der Sinn der Sache, dass die Organisationen offen sind, miteinander zu arbeiten und sich gegenseitig zu helfen.« Langfristig gehe es darum, eine gemeinsame Plattform zu etablieren. In Zukunft würde Neziroğlu diesen Plan auch gerne an einem zentral gelegenen, größeren Standort verwirklichen.

Andriyan Andreev wünscht sich für die Zukunft vor allem eine noch bessere Vernetzung mit anderen Organisationen, aber auch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, »dass wir unsere Säle und Räume nicht nur mit Bulgarinnen und Bulgaren vollbekommen, die sich gerne die eigene Kultur anschauen, sondern dass wir auch auf Sitzreihen blicken können, die voll mit vielen unterschiedlichen Menschen sind.«


> Pontic Vibes – eine kulturelle Reise: 3.10., 15–19 Uhr, Alte Börse

> Mehr Infos auf der Homepage der Stadt Leipzig


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